NaNoWriMo

Ich mache in diesem Jahr beim NaNoWriMo mit – beim National Novel Writing Month. Ziel ist es, im Monat November ein ganzes Buch mit 50.000 Wörtern zu schreiben (das entspricht einem Roman von ca. 250 Seiten). Zum ersten Mal habe ich Zeit dafür. Ein ganzer Roman wird am Ende nicht entstehen, da ich an mehreren Projekten parallel arbeite. Und alles, was ich nun im Schnellschuss produziere, muss hinterher auch noch mal gründlich überarbeitet werden. Aber das ist ja eh klar.

Doch es motiviert mich enorm, zu wissen, dass überall auf der Welt jetzt Leute genau wie ich mit Müdigkeit, Faulheit, Leere im Kopf etc. kämpfen. Ich tausche mich mit anderen Autoren aus, wir spornen uns an und motivieren uns gegenseitig. Das hilft sehr! In den ersten Tagen war ich in einen regelrechten Schreibrausch geraten und für meine Verhältnisse extrem produktiv. Über 13.700 Wörter habe ich schon geschrieben – in nur fünf Tagen. Das Tempo werde ich nicht durchhalten, das ist völlig klar, zumal das Projekt, das ich in den nächsten Tagen in Angriff nehme, deutlich kniffliger ist als das aktuelle.

Aber dennoch bin ich sehr begeistert, denn vor einer Woche hing ich noch in einem so großen Motivationsloch, dass ich dachte, ich würde nie wieder in diesem Leben eine Zeile schreiben können. Von daher ist der NaNoWriMo für mich jetzt schon ein Erfolg, egal wie es weitergeht.

 

 

 

 

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Veränderungen

Kürzlich habe ich den Namen meiner Facebookseite von „Katharina Burkhardt – Coaching & Kreatives Texten“ in „Katharina Burkhardt – Autorin“ geändert. Eine kleine Aktion mit großer Wirkung. Jedenfalls in meinem Inneren. Nach außen ist das, glaube ich, gar nicht weiter aufgefallen. Die Seite hat ohnehin kaum Fans und dümpelt so leise vor sich hin wie dieses Blog, das ich auch viel zu sehr vernachlässige.

Der Weg zu dieser kleinen Änderung war jedoch lang, sehr lang genau genommen. Ich weiß gar nicht mehr, wann er begann. Damals, als ich anfing, Gedichte zu schreiben, schwülstig und trübsinnig, Ausdruck einer pubertären Verzweiflung? Oder doch schon viel eher, in der Grundschule, als ich unlinierte Schreibhefte außen mit weißem Papier beklebte, darauf mit Filzstift Titel schrieb wie „Martine wird wieder klug“ und darunter bunte Bilder malte? Die Hefte füllte ich dann in ungelenker Schreibschrift mit abenteuerlichen Geschichten, die mal ein Abklatsch von Hanni und Nanni waren, mal Ponyhofgeschichten und mal etwas völlig anderes. Doch was so vielversprechend begann, versickerte dann erst mal in besagtem pubertären Trübsinn und erstarb schließlich völlig.

Erst mit Anfang dreißig begann ich ernsthaft zu schreiben. Ich bloggte regelmäßig über mein Leben und die Liebe und kam dadurch so gut in Schreibfluss, dass schließlich mein erster Roman entstand. Er wurde nie veröffentlicht, und ich bin dafür heute sehr dankbar. Aber er war mein Gesellenstück. Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, und gleichzeitig ganz viel richtig. Das Wichtigste: Ich hielt bis zum Schluss durch. Von da an wusste ich, dass ich in der Lage bin, Bücher zu schreiben.

Es folgten Ausflüge in die unterschiedlichsten Genres, sprachliche und literarische Experimente, von denen manche Erfolg hatten, andere hingegen nicht. Das hing nie mit der Qualität der Texte zusammen, sondern eher damit, was markttauglich war. Unterm Strich habe ich im vergangenen Jahr viel richtig gemacht, denn meine Einnahmen aus Buchverkäufen wuchsen stetig. Und zwar so stetig, dass ich irgendwann an einem Scheideweg stand.

Eins meiner Hauptprobleme war nämlich schon in den ganzen letzten Jahren meine Unfähigkeit, mich zu fokussieren. Wenn ich lektoriere, kann ich nebenher nicht eine Zeile schreiben. Wenn ich Trainings vorbereite, auch nicht. Mein Kopf ist dann einfach so voll mit all den anderen Themen, dass kein Platz mehr für meine Geschichten ist. Folglich kam ich nur im Schneckentempo voran. Und so ging ich in diesem Sommer einen mutigen Schritt. Ich sagte Aufträge ab, um Zeit zum Schreiben zu haben. Immer mit Bauchweh, immer mit der Angst im Nacken, dass ich vielleicht eine fürchterliche Bauchlandung erleide. Dass sich der Buchmarkt so sehr verändert, dass niemand mehr meine Bücher haben will. Oder dass meine Muse mich verlässt und ich unter dem Druck des Erfolgs nicht schreiben kann. Oder, oder …

Aber ich bin trotzdem weitergegangen und habe mir Zeit freigeschaufelt, um Bücher zu schreiben. Den ganzen langen Winter über werde ich nichts anderes tun. Damit bin ich hauptberuflich Autorin. Oder sollte ich besser Schriftstellerin sagen? Ich weiß gar nicht, was passender klingt. Ich weiß nur, dass ich mir damit einen Lebenstraum erfüllt habe. Und ich wünsche mir im Moment nichts mehr, als dass er noch sehr lange anhält und ich den Namen meiner Facebookseite nie mehr ändern muss.

Freigeschrieben

Für meinen ersten Roman brauchte ich drei Jahre. Ich hatte einen Vollzeitjob und schrieb immer nur dann, wenn ich gerade Zeit und Lust hatte – meistens am Wochenende oder im Urlaub. Das dauerte. Dazu kam noch, dass ich gewaltige Ansprüche an mich hatte. Dieses Buch musste perfekt werden – inhaltlich und formal. Ich feilte stundenlang an einzelnen Sätzen, im Hinterkopf sämtliche Schreibratgeber dieser Welt, vor mir sämtliche preisgekrönten Bestseller dieser Welt. Da wollte ich auch hin.

Nun ja. Immerhin schaffte es ein Kapitel aus diesem Roman in eine Anthologie, was mir wiederum die Teilnahme an einer Lesung im Hamburger Literaturhaus bescherte. Der Roman als Gesamtwerk wurde nie veröffentlicht, und wenn ich ihn heute lese, dann schüttele ich den Kopf. Mag sein, dass dieser Text recht literarisch ist und mir einige schöne Szenen gelungen sind. Geld verdienen ließe sich damit allerdings nicht.

Heute schreibe ich einen Roman schon mal in drei Monaten fertig. Dass ich so schnell geworden bin, hat zwei Gründe. Zum einen habe ich mich freigeschrieben. Ich will nicht mehr den großen literarischen Wurf landen, der mit Preisen überhäuft wird und mich in den Schriftstellerolymp aufsteigen lässt. Dazu bin ich nicht gut genug. Das weiß ich heute, aber es bedrückt mich nicht. Vielmehr war es eine große Befreiung, zu erkennen, dass ich so schreiben muss, wie ich es kann und will, und nicht so, wie es mir irgendwelche Literaturexperten vorschreiben. Je trivialer meine Geschichten werden, je mehr Schund ich nach literarischen Maßstäben produziere, desto befreiter fühle ich mich. Ich liebe diese Anarchie, die sich in meinem Kopf einstellt, wenn ich mir hemmungslos den größten Unsinn ausdenke und ihn in schmalztriefende, adjektivschwangere Formulierungen verpacke. Herrlich! Alles, was offiziell tabu ist, nutze ich hemmungslos, um meine Geschichten unterhaltsam zu machen und die Leser zu berühren. Denn das ist es, was für mich zählt: Begeisterte Leser, die meine Geschichten gerne kaufen.

Und damit komme ich zum zweiten Punkt: Seit ich nicht mehr so literarisch schreibe, verdiene ich Geld mit meinen Büchern. Das hat natürlich damit zu tun, dass ich im Selfpublishing die Chance habe, verlagsunabhängig zu veröffentlichen. Und das hat wiederum den Vorteil, mich noch mehr zu befreien, in noch weniger Kästchen einordnen zu lassen. Ich schreibe, was mir und den Lesern gefällt – unabhängig von Genres und dem aktuellen Mainstream. Und nun bin ich zum ersten Mal in meinem Leben an dem wunderbaren Punkt angelangt, an dem ich vom Schreiben leben kann. In diesem Jahr stammten bislang 80 Prozent meiner Einnahmen aus Buchveröffentlichungen. Natürlich weiß ich nicht, ob das so weitergeht. Vielleicht wird nächstes Jahr alles anders und die Zahlen brechen wieder ein. Aber darüber mache ich mir nicht den Kopf. Im Moment genieße ich den unglaublichen Luxus, den ganzen Tag nichts anderes machen zu dürfen, als mir Geschichten auszudenken. Was für ein Geschenk!

Schreibtipps

Schreibratgeber gibt es wie Sand am Meer, wobei sie unterm Strich alle dasselbe erzählen. Ist ja klar, man kann das Rad nicht immer neu erfinden. Tom Hillenbrand liefert in seinem Blog eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten Tipps. Meine Erfahrung zeigt: Diese Tipps sind tatsächlich alle richtig und wichtig.

Lediglich mit der Schreibroutine tue ich mich immer etwas schwer. Dieses „Du musst aber jeden Tag mindestens soundsoviel schreiben, sonst wird das nie was“-Gerede hat mich schon immer mehr gelähmt als motiviert. Ich weiß (und das gilt so ziemlich für alles im Leben, nicht nur fürs Schreiben), dass sich immer alles zurechtrütteln wird. Es gibt Durststrecken, in denen ich null Ideen habe, und Zeiten der Fülle, in denen es nur so sprudelt. Unterm Strich gleicht sich am Ende alles aus und ich erreiche mein Ziel genauso schnell und gewissenhaft wie die braven Regelmäßigschreiber.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich (noch) nicht ausschließlich vom Schreiben lebe. Es gibt Zeiten, in denen ist mein Kopf so zu mit anderen Themen und Projekten, dass ich tage- oder gar wochenlang nicht eine Zeile zu Papier bringe. Dann muss mein Roman ruhen, egal in was für dramatischen Verwicklungen meine Protagonisten gerade stecken. Wenn ich hingegen Zeit genug habe, tief in einer Geschichte versunken bin, und sogar nachts von den Figuren träume, dann sitze ich ganz von selbst bis zu zehn Stunden täglich am Schreibtisch, das geht gar nicht anders.

Das ist übrigens auch die Erklärung dafür, dass es hier so lange still war. Ich habe im letzten halben Jahr sehr viel gearbeitet und war so intensiv in ein Buchprojekt versunken, dass ich wenig Zeit und Muße für andere Dinge hatte. Wie heißt es in den Tipps von Tom Hillenbrand so schön:

Je mehr Du Dich aufs Schreiben konzentrierst, umso mehr andere Sachen werden sich um Dich herum auftürmen – ungelesene Emails, Lesungsanfragen, Pfandflaschen. Die Welt dreht sich ja weiter, während Du schreibst. Lass Dich davon nicht stressen. Schreib einfach weiter.

Genau das habe ich getan.

Dialoge schreiben

Dialoge sind das Salz in guten Romanen. Sie würzen die Geschichte mit Emotionen, bringen Lebendigkeit in die Handlung und charakterisieren die Figuren. Ohne wörtliche Rede wirkt eine Geschichte fade. Allerdings ist das Schreiben von Dialogen gewissermaßen die Königsdisziplin im literarischen Schreiben. Es ist nicht leicht, die wörtliche Rede so zu verpacken, dass sie klug und unterhaltsam zugleich ist, dass sie den richtigen Ton für die jeweilige Figur trifft und dass sie passend in die Handlung eingebunden wird.

Zudem gilt es, formale Besonderheiten zu beachten. Beim Lesen von Indie-Büchern fällt mir immer wieder auf, dass viele Autoren nicht wissen, wie sie die wörtliche Rede korrekt in einen Text einbinden müssen. Eine sehr gute Anleitung dazu gibt es hier.

Besonderes Augenmerkt solltet Ihr auch auf die Begleitsätze legen, in denen erklärt wird, wer spricht und mit welchen Emotionen er das tut.
„Du Idiot!“, brüllte sie.
Wie die wörtliche Rede korrekt in Begleitsätze eingebunden wird, könnt Ihr ebenfalls hier nachlesen.

Handlungsbeschreibungen sind nicht zwingend notwendig. Lebendige Dialoge leben allein vom gesprochenen Wort und benötigen zusätzliche Erklärungen nicht. Wichtig ist nur, dass die Leser genau wissen, wer gerade spricht. Dfür genügen die eher nichtssagenden Verben sagen und fragen. Dadurch erhält die wörtliche Rede mehr Kraft – nichts lenkt von ihr ab.

„Warum willst du das wissen?“, fragte sie.
„Weil ich neugierig bin“, sagte er.

„Warum willst du das wissen?“ Sie runzelte die Stirn.
„Weil ich neugierig bin“, lächelte er.
Das Stirnrunzeln verstärkt nur die Frage und ist nicht notwendig. Und auch lächeln ist nicht gerade ein emotionsgeladenes Kraftpaket und sollte daher sparsam eingesetzt werden.

Wenn Beschreibungen jedoch Emotionen transportieren und zur Charakterisierung von Figuren beitragen, sind sie wichtig.
„Warum willst du das wissen?“ Nervös spielte sie an ihrem Halstuch.
„Weil ich neugierig bin.“ Seine Augen blitzten fröhlich.

Lammspieße auf Couscous – 11

Teil 1
„Was ist das?“, fragte Axel Klinger mit zittriger Stimme.
„Ach, das ist bloß diese alberne magische Masche, für die sich kein Mensch mehr interessiert“, sagte Rosi.
Axel Klinger starrte sie mit seinem rechten Auge an, während das linke vergnügt auf und ab hüpfte.
„Wovon reden Sie?“
„Darf ich vorstellen?“, half ich ihm auf die Sprünge. „Rosi Löwenherz und Katja Sommerland. Sie fanden unser magisches Kochbuch so albern, dass Sie es nicht veröffentlichen wollten. Das ist wirklich schade. Sehr, sehr schade.“
Nun dämmerte Axel Klinger, was los war:
„Sie haben mich vergiftet!“, schrie er. „Sie sind ja zwei ganz gemeingefährliche, durchgeknallte Weiber!“
„Vergiftet? Aber nein“, beruhigte Rosi ihn. „Wir haben Sie nur ein wenig geärgert. So, wie Sie uns geärgert haben. Das vergeht alles wieder.“
Axel Klinger war außer sich.
„Sie … Sie Hexen!“, schrie er. „Ich werde Sie anzeigen.“
„Hexen?“ Ich runzelte die Stirn. „Ich dachte, Sie glauben nicht an Magie. Und anzeigen dürfen Sie uns gern. Aber das wird keinen Erfolg haben. In unserem Essen wird man garantiert nichts finden. Schauen Sie doch nur Ihre Kollegen an. Allen geht es gut.“
Mit einem verzweifelten Blick in den Spiegel fragte Axel Klinger:
„Wie lange bleibt das so?“
„So lange, bis wir uns nicht mehr ärgern. Sorgen Sie also dafür, dass wir glücklich werden, dann geht es Ihnen schlagartig besser.“
Axel Klinger krümmte sich zusammen. Seine Bauchkrämpfe mussten wirklich böse sein.
„Das ist Erpressung“, flüsterte er.
„Nein, Magie.“
Ich gebe zu, dass mein Lachen sehr fröhlich war, als Rosi und ich die Herrentoilette von Kampmann & Hoffe verließen. Wie ich schon sagte: Es war ein großartiges Fest.

ENDE

Diese Geschichte stammt aus dem Buch „Moodcooking – Aus dem Suppentopf der Gefühle“

Lammspieße auf Couscous – 10

Teil 1

Wenn Magie im Spiel ist, zeigt sie sich in der Regel sehr schnell. So war es auch an diesem Tag. Während alle Gäste ausgelassen feierten und unsere Lammspieße auf Couscous in den höchsten Tönen lobten, verzog Axel Klinger sich schon bald mit einem gequälten Gesichtsausdruck auf die Toilette. Es dauerte lange, bis er wieder auftauchte. Er war grün im Gesicht und wankte schwer atmend vor die Tür. Ich folge ihm.
„Geht es Ihnen nicht gut?“, fragte ich mit gespielter Anteilnahme. Axel Klinger schüttelte den Kopf.
„Irgendwas ist mir nicht bekommen“, stöhnte er. „Vielleicht diese exotischen Gewürze. Kann das sein?“
„Ach, wissen Sie“, entgegnete ich leichthin. „Sein kann alles Mögliche. Die einen Menschen lieben orientalisches Essen, die anderen reagieren hochgradig allergisch darauf. Und wieder andere werden bloß Opfer einer magischen Masche.“
Bevor ich weiter ausholen konnte, trat Rosi zu uns:
„Diese Warzen da in Ihrem Gesicht sehen aber ziemlich eklig aus. Die hatten Sie doch vorhin noch nicht“, stellte sie fest.
„Warzen?“, keuchte Axel Klinger. „Was denn für Warzen?“ Er hob eine Hand zum Gesicht und fuhr entsetzt zurück. Seine Gesichtsfarbe wechselte von Grün zu Weiß, bevor er wieder in Richtung der Toiletten stürzte.
Wir folgten ihm. Fasziniert betrachtete ich sein entstelltes Gesicht. Besonders angetan war ich von seinem linken Auge, dessen Augapfel sich irgendwie selbstständig gemacht hatte und wild herumkreiste. Manchmal ist selbst mir die Macht der Magie unheimlich.

Teil 11