Ende – und nun?

„Der Roman ist fertig!“ Nach Monaten harter Arbeit, in denen ich komplett eingetaucht bin in die Welt meiner Protagonisten, in denen ich wenig geschlafen und meine sozialen Aktivitäten auf ein Minimum reduziert habe, setze ich nun endlich den Schlusspunkt unter meinen Schmachtfetzen. Ende. Aus. Fertig. Hurra! Was bin ich froh! Erst mal Sekt trinken und feiern.

Doch nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Indem man „Ende“ unter eine Geschichte schreibt, ist sie noch lange nicht fertig. Das unterschätzt man als Autor gern – und als Leser sowieso. Das Überarbeiten nimmt bei mir fast genauso viel Raum ein wie das Schreiben – Fehler ausmerzen, nachdenken über Inhalte („Ist das wirklich spannend?“) und Form („Schreibt man das überhaupt so?“), hier was kürzen, da was ergänzen, bis die Geschichte runder, stimmiger wird.

Ich gehöre nicht zu den Autoren, die ausschließlich überarbeiten, wenn die gesamte Geschichte steht. Ich bastele auch mittendrin viel herum, schreibe Szenen um oder werfe sie ganz raus, gehe spontanen Einfällen nach und schiebe und sortiere unentwegt. Manche Szenen schreibe ich im ersten Rausch so schnell runter, dass sie einen eher holzschnittartigen Eindruck hinterlassen. Um plastisch zu werden, benötigen sie mehr Fleisch. Dabei kann es auch passieren, dass eine Figur, die anfangs nur in einem Nebensatz erwähnt wurde, auf einmal mehr Raum einnimmt, vom Statisten zum Nebendarsteller aufsteigt. Das macht richtig Spaß, weil ich spüre, wie sehr die Geschichte dadurch gewinnt. Aber am Ende, wenn ich tatsächlich den letzten Satz geschrieben habe, geht es an die Generalüberholung. Und die ist mühsam und macht phasenweise nur wenig Spaß, um nicht zu sagen: überhaupt nicht.

Nächster Schritt: Das Manuskript einigen Testlesern geben, mit der Bitte um kritische Kommentare. Ich gebe zu, hier kriege ich das erste Mal die große Flatter. Mein Baby wird von Fremden begutachtet. Wenn drei Leute sagen, mit der Geschichte stimmt was nicht, dann weiß ich, dass was nicht stimmt. Wenn drei Leute begeistert sind, kann ich davon ausgehen, dass dreihundert andere es auch sein werden. Oder dreitausend. Natürlich muss man die drei Leute gut auswählen, Mama und Tante Hilde sollte man besser nicht zu Testleserinnen machen, die sind nicht objektiv.

Im Fall meines Schmachtfetzens waren die Reaktionen sehr positiv und ich sehr erleichtert. Die Leserinnen gehen mit, finden die Geschichte spannend und unterhaltsam und sind an den richtigen Stellen gerührt (um nicht zu sagen: die Tränen fließen in Strömen). Meine Erleichterung ist riesig. Allerdings veranlassen mich einige Anmerkungen der Leserinnen, eine Lektorin zu Rate zu ziehen. Sie nimmt sich das Manuskript vor und bestätigt den Eindruck der Testleserinnen: Die Geschichte liest sich leicht und unterhaltsam, sie weckt Emotionen. Gut so! Alles, was die Lektorin kritisch anmerkt, zählt eher zum Feintuning.

Aber das ist richtig harte Arbeit. Ich pflüge jeden einzelnen Satz um. Tagelang. Nächtelang. Bis ich eckige Augen habe und vor Erschöpfung beinah weine. Zwischendrin bin ich drauf und dran, aufzugeben. „Ob das da so oder so steht, merkt eh keine Sau“, denke ich, und: „Das rechnet sich nie. So viel Geld kann ich unmöglich mit dem Buch verdienen.“ Wenn ich anfinge, Arbeitszeiten aufzuschreiben, würde ich wohl beschließen, lieber bei ALDI an der Kasse zu arbeiten. Das wäre lukrativer.

Aber für Selbstbeweinungen bleibt keine Zeit, stattdessen mache ich mir neben dem Überarbeiten bereits Gedanken übers Marketing. Denn als Selfpublisher muss ich das alles selber anleiern und alle Entscheidungen alleine treffen. Der Buchtitel gefällt mir noch nicht, in Absprache mit meinen Testleserinnen wähle ich einen neuen aus. Außerdem feile ich stundenlang am Klappentext, der neugierig machen und die Leute zum Kaufen verleiten soll. Dasselbe gilt für das Cover. Ich kontaktiere mehrere Designer und hole Angebote ein. Ich fülle Fragebögen aus, begutachte Entwürfe, schlage Korrekturen vor, begutachte überarbeitete Entwürfe. Ich denke über zusätzliche Werbemaßnahmen nach, hole Angebote ein, treffe Absprachen, schreibe ein Exposé der Geschichte, begutachte Entwürfe – usw.

Jetzt ist das Buch im Korrektorat. Anschließend wird es in die entsprechenden E-Bookformate konvertiert und der Buchsatz für die Printausgabe erstellt. Ich nutze die kleine Pause, bis das Manuskript aus dem Korrektorat zurückkommt, zum Schlafen. Und nebenbei halte ich auch noch meine Leser in den sozialen Netzwerken bei Laune und mache sie schon mal neugierig auf das neue Buch.

Zwischendrin schiele ich ängstlich auf mein Konto. Da kommt einiges zusammen an Kosten. Dienstleister, die für Selfpublisher arbeiten, sind zwar günstig, aber natürlich müssen auch sie von was leben. Am Ende werde ich wohl um die 2000 Euro in mein Buch investiert haben. Da muss ich ziemlich viele Exemplare verkaufen, damit sich das rechnet. Wenn der Roman ein Flop wird, dann … ja, dann denke ich noch mal über den Job bei ALDI nach.

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Schwere Geburt

Es war wohl alles ein bisschen viel auf einmal: Eine richtig schöne Geschichte sollte es werden, mit komplexen Charakteren, mit Tiefe und Anspruch. Und sie sollte schnell fertig werden, weil man als Profi-Autor ja schön brav jeden Tag eine gewisse Anzahl an Stunden an seinem Text arbeitet, so wie andere Leute im Büro ihre Exceltabellen bearbeiten, Stunde um Stunde, und wenn es mal klemmt, fragt man einen Kollegen, und weiter geht’s. Also habe ich schon mal vorsorglich auf allen Kanälen verkündet: „Das neue Buch kommt bald.“ Ich dachte, der Druck, den ich mir damit selber machte, würde mich vom Trödeln abhalten.

Aber so funktioniert das nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Ich saß zwar auch Stunde um Stunde am Rechner, und irgendwie entstand dabei sogar eine Geschichte, rund 200 Seiten bislang. Aber ich war nicht richtig bei der Sache. Da war ein innerer Widerstand, der mich an manchen Tagen mit regelrechtem Widerwillen an die Arbeit gehen ließ. Und ich merkte auch, dass etwas mit den Figuren nicht stimmte. Sie erfüllten mein Herz nicht, lebten in meinem Inneren nicht wie liebgewordene Freunde, sondern blieben seltsam blass.

„Das wird schon“, sagte ich mir immer wieder und zwang mich Tag für Tag aufs Neue an den Schreibtisch. Ich überarbeitete alte Szenen und schrieb neue, überarbeitete wieder und hatte doch nicht das Gefühl, voranzukommen. Schließlich stellte ich fest: Freundliches Zureden („Prima, das waren heute 98 Wörter – 7 mehr als gestern!“) oder Antreiben („Los jetzt, du Lusche, andere haben das auch geschafft!“) halfen genauso wenig wie die Ermutigungen meiner Lektorin („Jetzt ist es schon viel besser.“) und die 137 Tipps gegen Schreibblockaden, die man in jedem Ratgeber findet.

Was hingegen wirklich half: Die Kritik zweier Testleserinnen, die mir unverblümt klarmachten, dass man sogar beim Lesen merkt, wie sehr ich mit der Geschichte ringe. Im ersten Moment war ich total geplättet und hätte das Manuskript am liebsten in die Tonne getreten – und mich gleich mit. Dann sickerte langsam eine Erkenntnis nach der nächsten durch. Die Geschichte hat einen schönen Plot, aber den falschen Erzählton. Außerdem blockiere ich mich selbst, wenn ich meine eigenen Ansprüche derart hochhänge, dass ich sie nie erreichen werde.

Die Soforttherapie sah so aus: Ich habe das Manuskript zur Seite gelegt und bewusst entschieden, dass ich ihm eine Ruhepause zum Reifen gönnen muss. Ein paar Wochen oder Monate, vielleicht gar Jahre. So mache ich das normalerweise immer, wenn ich feststecke, und bislang tat jeder Geschichte diese Pause enorm gut. Diesmal hatte ich aber gar keine Ruhephasen eingeplant, weil ich mir einbildete, die bräuchte ich als hauptberufliche Autorin nicht mehr, weil ich ja genug Zeit hatte, um Tag für Tag immer wieder an den kniffligen Stellen herumzudoktern. Was für ein Irrtum!

Keine halbe Stunde, nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, sprang mich quasi von einer Sekunde auf die nächste die Idee für eine neue Geschichte an. Ich hatte noch nie über dieses Thema nachgedacht, es war etwas vollkommen Neues, das wie aus dem Nichts auftauchte und mich nicht mehr losließ. Ich schrieb augenblicklich den Plot auf und machte mich noch am selben Abend an die erste Szene. Seitdem schreibe ich Tag und Nacht. Ich muss mich nicht dazu zwingen, es geschieht ganz von alleine.

Diese Geschichte ist etwas völlig anderes als das, was ich geplant und meinen Lesern versprochen hatte. Genau genommen ist sie anders als alles, was ich je geschrieben habe. Aber hier funktioniert, was bei der ersten Geschichte nicht geklappt hat: Ich bin mit Begeisterung dabei. Die Figuren leben in mir und werden darum auch beim Schreiben lebendig. Warum? Weil ich mir keinen Druck mache. Weder in Bezug auf den Veröffentlichungstermin, noch bezüglich des Anspruchs. Die Geschichte ist seicht. Und kitschig. Und banal. Manch einer wird den Kopf schütteln und fragen: Wie konnte sie nur? Aber ich liebe diesen kleinen Roman jetzt schon. Und das ist das Wichtigste, um ihn aufschreiben zu können.

Was ich daraus gelernt habe? Es gibt eine Million Wege, einen Roman zu schreiben – ungefähr so viele, wie es Autoren gibt. Nein, sogar noch mehr: So viele, wie es Geschichten gibt. Denn es ist jedes Mal anders. Manchmal wird das eine Sturzgeburt und der Roman ist innerhalb weniger Wochen auf der Welt. Manchmal liegt man aber auch ziemlich lange in den Wehen und braucht schon mal ein paar Jahre (inklusive sehr ausgedehnter Pausen), bis das Baby endlich da ist.

Ich bin keine Fließbandautorin, kann mich nicht jeden Morgen um neun an den Schreibtisch setzen und nachmittags um fünf den Rechner ausschalten und befriedigt sagen: „Tagesziel erreicht.“ Ich brauche dieses gewisse Feuer, das mich antreibt. Und wenn das fehlt, dann nützt aller Zwang nichts, im Gegenteil, dadurch wird es nur noch schlimmer. Der „Ebbe und Glut“-Nachfolger lässt also noch ein Weilchen auf sich warten. Stattdessen wird es eine kräftige Portion Herzschmerz geben. Ob ich dazu stehe oder mich hinter einem Pseudonym verstecke, weiß ich noch nicht. Nur, dass ich diese Geschichte unbedingt erzählen muss. Jetzt sofort.

Der Knoten hat sich gelöst

Ich habe gezoFoto: Inge Luttermanngen und gezerrt, gedrückt, gerissen, geklopft. Ich habe von oben und von unten geguckt, von links und von rechts, habe gedreht und gewendet, mit zarten Fingern gestreichelt und magische Beschwörungen ebenso gemurmelt wie handfeste Flüche. Es hat lange gedauert. Sehr, sehr lange. Viel zu lange. Doch nun ist es vollbracht: Der Knoten hat sich gelöst, das Gedankenchaos ist entwirrt. Hurra!

Ich gebe ja meinen Kunden gern den Tipp, erst mal was anderes zu machen, wenn sie sich an einer Textstelle festgebissen haben. „Liegenlassen, das löst sich von selbst“, pflege ich zu sagen. In gewisser Weise habe ich mich auch an diesen Tipp gehalten und mein Manuskript immer wieder voller Unlust und Selbstzweifel zur Seite gelegt. „Das wird nie was“, sagte ich mir und beäugte das Projekt voller Misstrauen aus sicherer Entfernung. „Ich geh wieder fremde Texte lektorieren, da bin ich erfolgreicher.“ Wochenlang ging das so, um nicht zu sagen: monatelang.

Aber dann wurde mir klar: Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich will Bücher schreiben. Also setzte ich mich hin und begann zu kämpfen. Satz für Satz, Wort für Wort habe ich das Kapitel, in dem ich steckengeblieben bin, umgegraben. Das dauerte, ich mag es kaum laut sagen, über eine Woche. Eine Woche Kampf und Krampf wegen eines einzigen Kapitels von knapp 14 Normseiten. Aber mir wurde auf einmal klar, dass dieses Kapitel Schlüsselszenen enthält, die für den Fortlauf der gesamten weiteren Geschichte wichtig sind. Ich konnte nicht weitermachen, bevor dieses Kapitel nicht stand.

Und dann spürte ich mitten im Kampf eine Veränderung: Ideen trudelten ein, erst zaghaft, dann immer mehr. Ich schrieb einen Teil einer Szene neu, was weitere Ideen anlockte. Und plötzlich packte es mich: Ja, genau so muss es gehen! Auf einmal lag nicht nur dieses Kapitel klar vor meinem inneren Auge, sondern gleich noch drei weitere. Ich konnte kaum mehr aufhören zu arbeiten, so begeistert war ich.

Seit zwei Tagen ist sie wieder da, die Energie, die ich zum Schreiben brauche. Meine Figuren sprechen mit mir, sie füllen mich aus und begleiten mich, wo immer ich gerade bin. Der Kampf hat sich gelohnt. Und ich bin wieder um eine Erfahrung reicher: Manchmal ist es besser, sich durchzubeißen, statt erst mal was anderes zu machen.

Planung

Nachdem ich im November wie wild geschrieben habe, um mein Ziel von 50.000 Wörtern zu erreichen, geht es nun deutlich geruhsamer zu. Ich sortiere, recherchiere, plane. Andere Leute machen das, bevor sie mit einem Projekt beginnen, ich fange damit immer erst an, wenn ich mittendrin stecke. Zuerst ist eine Idee im Kopf. Dann experimentiere ich ein bisschen rum, schreibe erste Szenen und versuche, die passende Sprache und Erzählform für die Geschichte zu finden. Das ist pure Anarchie, und ich liebe es.

Durch den Druck des NaNoWriMo habe ich diesmal recht viel drauflos geschrieben, bevor es an die Planung ging. Der Vorteil ist aber, dass ich nun schon eine sehr genaue Vorstellung davon habe, wo die Reise hingeht. Und außerdem hat sich die Geschichte bereits in eine Richtung entwickelt, die ich gar nicht beabsichtigt hatte. Eine Figur, die ursprünglich nur als Nebenfigur gedacht war, nimmt nämlich sehr viel mehr Raum ein. Aber die Erzählstimme dieser Figur ist so kraftvoll und ihre Szenen sind so lebendig, dass ich gar nicht anders kann, als ihr nun mehr Platz in der Geschichte zu gewähren. Das sind die Überraschungen, die man erlebt, wenn man planlos vorgeht, und das finde ich sehr reizvoll.

Was heißt nun „Planung“? Es bedeutet, dass ich die Reihenfolge der Ereignisse festlege und einen genauen Zeitplan erstelle – so genau, dass ich Wochentage notiere und recherchiere, wie das Wetter an jenem Tag war und ob es in dieser Zeit bedeutende politische oder gesellschaftliche Ereignisse gab. Das fließt nachher alles gar nicht so konkret in die Geschichte ein, ich benötige es nur als Hintergrundwissen, damit ich das Setting in meinem Kopf möglichst genau gestalten kann. „Planung“ bedeutet auch, dass ich Szenen chronologisch anordne. Manches ergibt sich automatisch aus der Handlung: auf Verlieben folgt Heiraten, nicht umgekehrt (jedenfalls normalerweise). Es gibt aber auch Szenen, die ich flexibel einsetzen kann, die am Anfang der Geschichte genauso gut passen wie in der Mitte oder gegen Ende. Da gilt es, abzuwägen und auszuprobieren, wie es sich am besten anfühlt.

Die Planungsphase ist für mich das ungeliebte Kind im Entstehungsprozess eines Buches. Ich muss mich jedes Mal aufs Neue dazu überwinden, aber ohne geht es nicht. Immer dann, wenn ich in eine Sackgasse gerannt bin und merke, dass ich nicht weiter weiß, ist es Zeit, einen Schritt zurückzutreten und die Gesamtheit der Geschichte in Augenschein zu nehmen. An diesem Punkt befinde ich mich jetzt. Einige Lücken konnte ich inzwischen füllen, andere sind immer noch offen. Es gibt mehrere große Fragezeichen, die an mir nagen und mir schlaflose Nächte bereiten. Wenn ich sie gelöst habe, wird alles wie von selbst laufen, das weiß ich. Aber bis dahin stecke ich fest in diesem Chaos, in dem ich zwar viele Möglichkeiten sehe, mich aber nicht entscheiden kann, wo die Reise hingehen soll.

Zu guter Letzt die gute Nachricht für alle „Ebbe und Glut“-Fans: In der Geschichte, mit der ich gerade so ringe, wird es ein Wiedersehen mit etlichen Figuren aus „Ebbe und Glut“ geben. Wenngleich auch ganz anders, als ich selbst ursprünglich dachte.

Schreibtipps

Schreibratgeber gibt es wie Sand am Meer, wobei sie unterm Strich alle dasselbe erzählen. Ist ja klar, man kann das Rad nicht immer neu erfinden. Tom Hillenbrand liefert in seinem Blog eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten Tipps. Meine Erfahrung zeigt: Diese Tipps sind tatsächlich alle richtig und wichtig.

Lediglich mit der Schreibroutine tue ich mich immer etwas schwer. Dieses „Du musst aber jeden Tag mindestens soundsoviel schreiben, sonst wird das nie was“-Gerede hat mich schon immer mehr gelähmt als motiviert. Ich weiß (und das gilt so ziemlich für alles im Leben, nicht nur fürs Schreiben), dass sich immer alles zurechtrütteln wird. Es gibt Durststrecken, in denen ich null Ideen habe, und Zeiten der Fülle, in denen es nur so sprudelt. Unterm Strich gleicht sich am Ende alles aus und ich erreiche mein Ziel genauso schnell und gewissenhaft wie die braven Regelmäßigschreiber.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich (noch) nicht ausschließlich vom Schreiben lebe. Es gibt Zeiten, in denen ist mein Kopf so zu mit anderen Themen und Projekten, dass ich tage- oder gar wochenlang nicht eine Zeile zu Papier bringe. Dann muss mein Roman ruhen, egal in was für dramatischen Verwicklungen meine Protagonisten gerade stecken. Wenn ich hingegen Zeit genug habe, tief in einer Geschichte versunken bin, und sogar nachts von den Figuren träume, dann sitze ich ganz von selbst bis zu zehn Stunden täglich am Schreibtisch, das geht gar nicht anders.

Das ist übrigens auch die Erklärung dafür, dass es hier so lange still war. Ich habe im letzten halben Jahr sehr viel gearbeitet und war so intensiv in ein Buchprojekt versunken, dass ich wenig Zeit und Muße für andere Dinge hatte. Wie heißt es in den Tipps von Tom Hillenbrand so schön:

Je mehr Du Dich aufs Schreiben konzentrierst, umso mehr andere Sachen werden sich um Dich herum auftürmen – ungelesene Emails, Lesungsanfragen, Pfandflaschen. Die Welt dreht sich ja weiter, während Du schreibst. Lass Dich davon nicht stressen. Schreib einfach weiter.

Genau das habe ich getan.

„Adjektivreich und handlungsschwach“

Kürzlich erschien auf spiegel.de ein Artikel, in dem Geschichten von Selfpublishern pauschal als „adjektivreich und handlungsschwach“ abgewertet wurden. Das führte in der Selfpublisherszene zu viel Schmunzeln, zumal die Autoren, die in dem Artikel namentlich genannt werden, sehr erfolgreich mit ihren „handlungsschwachen“ Geschichten sind. Der Artikel ist ein Beitrag zur Debatte um den Kampf zwischen Amazon und den Verlagen, die ja teilweise höchst unsachlich geführt wird – und die pauschale Diffamierung von Kollegen gehört da offenbar dazu. Das soll aber hier nicht weiter Thema sein.

Mir geht es vielmehr um die Frage nach den Adjektiven. Was ist denn schlimm daran, wenn man die gern verwendet? Das sind doch so schön bunte Wörter: herzzerreißend, betörend, meeresgrün, gewaltig, kugelrund, … Hach, ich könnte noch ewig so weitermachen. Und wird eine Geschichte durch all diese Adjektive nicht erst richtig lebendig?

Passenderweise las ich kurz nach dem Spiegeltext einen sehr empfehlenswerten Artikel in der Federwelt, in dem es um den Gebrauch von Adjektiven geht. Das nahm ich zum Anlass, kritisch zu überprüfen, wie mein eigener Umgang mit diesen Beiwörtern ist.

Gelegentlich braucht es einfach diese üppige, pralle Sprache, um Stimmungen und Gefühle auszudrücken – oder um den Kitsch in einer herzerweichenden Liebesszene so richtig zum Triefen zu bringen. Wir benötigen Adjektive auch, um etwas eindeutig auszudrücken. „Die rothaarige Frau“ beschreibt eine Figur unverwechselbar.

Andererseits vernebeln diese Beiwörter die Sinne und machen einen Text schwülstig und langatmig. Wolf Schneider bezeichnet Adjektive als die am meisten überschätzte Wortgattung. Und er liefert den Beweis gleich dazu:
„Wie heißt das Lied? Am ausgetretenen Brunnen vor dem weinlaubumrankten, halbverfallenen Tore steht ein knorriger Lindenbaum? Nicht ganz. Irgend jemand muss die Adjektive gestrichen haben, und was herauskam, wurde einer der populärsten Texte deutscher Sprache.“
(Aus: Wolf Schneider: Deutsch fürs Leben – Was die Schule zu lehren vergaß, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 17. Auflage 2007, S. 32)

Mein persönliches Fazit: Weniger ist in diesem Fall mehr. Allerdings kommt es auf die Art des Textes an. In einem sachlichen Text solltet Ihr Adjektive sparsam einsetzen, in einer schnulzigen Liebesgeschichte dürfen ruhig mal ein paar mehr vorkommen. Wenn Ihr aber lernen wollt, temporeich und klar zu schreiben, solltet Ihr Euch die Tipps aus der Federwelt zu Herzen nehmen. Es kann nicht schaden, zu Übungszwecken den Tipp von Hans Peter Roentgen aufzugreifen, und mal aus einem Text alle Adjektive zu streichen. Dann wird Euch auffallen, welche ihr wirklich benötigt und wie viele ihr unbedacht und manchmal sogar falsch einsetzt.

Das Haus der Medusa

Das Haus der Medusa-kleinEs ist soweit – hurra! Das Haus der Medusa ist im Handel angekommen. Bei Amazon und neobooks könnt Ihr es bereits herunterladen, die anderen Händler ziehen hoffentlich in den nächsten Tagen nach.

Die vergangenen Wochen waren noch mal anstrengend und aufregend. Auf den letzten Metern gab es viel mehr zu bedenken und entscheiden, als ich gedacht hatte. Doch nun ist – hoffentlich! – alles gut. Ich bin sehr aufgeregt und freue mich total über mein neues „Baby“. Und natürlich bin ich sehr gespannt, wie Euch die Geschichte gefällt.

Zum Inhalt:
Ein altes Haus in Hamburg-Altona: das Haus der Medusa. Streng wacht die schlangenhaarige Dämonin über ihre zum Teil recht sonderbaren Bewohner. Die junge Patissière Florentine ist glücklich, dass sie hier sowohl eine Wohnung als auch Räume für ihre Confiserie gefunden hat und richtet sich mit Begeisterung ein.

Doch je länger sie in dem Haus wohnt, desto unheimlicher wird es ihr. Nach und nach entdeckt sie, dass alle ihre Nachbarn etwas verbergen, dass hinter jeder verschlossenen Tür Geheimnisse lauern. Als auch noch mysteriöse Todesfälle auftreten, ist es endgültig vorbei mit Florentines Ruhe. Sie stellt Nachforschungen an – und verstrickt sich dabei selbst immer mehr in den Machenschaften ihrer Nachbarn.

Leserstimmen:
„Dieses Buch ist kein klassischer Krimi, aber auch kein echtes Drama und schon gar keine Komödie. Und doch ist es ein bisschen von allem. Die Geschichte entwickelt sich langsam. Fast zaghaft tastet sich die Autorin an die Geschehnisse heran und lässt einen Darsteller nach dem anderen ins Rampenlicht treten. So webt sie einen dichten Teppich aus Charakteren und Ereignissen, die den Leser unweigerlich in ihren Bann ziehen, bis er sich dem stetig wachsenden Tempo des Buchs irgendwann nicht mehr entziehen kann und nur noch so durch die Seiten eilt.“
(Laura Gambrinus, Autorin)