„Adjektivreich und handlungsschwach“

Kürzlich erschien auf spiegel.de ein Artikel, in dem Geschichten von Selfpublishern pauschal als „adjektivreich und handlungsschwach“ abgewertet wurden. Das führte in der Selfpublisherszene zu viel Schmunzeln, zumal die Autoren, die in dem Artikel namentlich genannt werden, sehr erfolgreich mit ihren „handlungsschwachen“ Geschichten sind. Der Artikel ist ein Beitrag zur Debatte um den Kampf zwischen Amazon und den Verlagen, die ja teilweise höchst unsachlich geführt wird – und die pauschale Diffamierung von Kollegen gehört da offenbar dazu. Das soll aber hier nicht weiter Thema sein.

Mir geht es vielmehr um die Frage nach den Adjektiven. Was ist denn schlimm daran, wenn man die gern verwendet? Das sind doch so schön bunte Wörter: herzzerreißend, betörend, meeresgrün, gewaltig, kugelrund, … Hach, ich könnte noch ewig so weitermachen. Und wird eine Geschichte durch all diese Adjektive nicht erst richtig lebendig?

Passenderweise las ich kurz nach dem Spiegeltext einen sehr empfehlenswerten Artikel in der Federwelt, in dem es um den Gebrauch von Adjektiven geht. Das nahm ich zum Anlass, kritisch zu überprüfen, wie mein eigener Umgang mit diesen Beiwörtern ist.

Gelegentlich braucht es einfach diese üppige, pralle Sprache, um Stimmungen und Gefühle auszudrücken – oder um den Kitsch in einer herzerweichenden Liebesszene so richtig zum Triefen zu bringen. Wir benötigen Adjektive auch, um etwas eindeutig auszudrücken. „Die rothaarige Frau“ beschreibt eine Figur unverwechselbar.

Andererseits vernebeln diese Beiwörter die Sinne und machen einen Text schwülstig und langatmig. Wolf Schneider bezeichnet Adjektive als die am meisten überschätzte Wortgattung. Und er liefert den Beweis gleich dazu:
„Wie heißt das Lied? Am ausgetretenen Brunnen vor dem weinlaubumrankten, halbverfallenen Tore steht ein knorriger Lindenbaum? Nicht ganz. Irgend jemand muss die Adjektive gestrichen haben, und was herauskam, wurde einer der populärsten Texte deutscher Sprache.“
(Aus: Wolf Schneider: Deutsch fürs Leben – Was die Schule zu lehren vergaß, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 17. Auflage 2007, S. 32)

Mein persönliches Fazit: Weniger ist in diesem Fall mehr. Allerdings kommt es auf die Art des Textes an. In einem sachlichen Text solltet Ihr Adjektive sparsam einsetzen, in einer schnulzigen Liebesgeschichte dürfen ruhig mal ein paar mehr vorkommen. Wenn Ihr aber lernen wollt, temporeich und klar zu schreiben, solltet Ihr Euch die Tipps aus der Federwelt zu Herzen nehmen. Es kann nicht schaden, zu Übungszwecken den Tipp von Hans Peter Roentgen aufzugreifen, und mal aus einem Text alle Adjektive zu streichen. Dann wird Euch auffallen, welche ihr wirklich benötigt und wie viele ihr unbedacht und manchmal sogar falsch einsetzt.

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Beliebte Schreibfehler

Es gibt in der deutschen Rechtschreibung einige knifflige Hürden, die viele Menschen nicht richtig nehmen. Das sind diese typischen Fehler, die wir Lektoren immer wieder korrigieren – in Werbetexten ebenso wie in wissenschaftlichen Arbeiten oder Romanen. Da haben wir wohl alle an derselben Stelle in der Schule geschlafen, und die Rechtschreibreform trug noch zusätzlich zur Verwirrung bei.

Einige dieser beliebten Fehler habe ich auf der Seite einer Kollegin gefunden, verpackt mit allerlei nützlichen Tipps rund ums Schreiben. Ich werde gelegentlich mal weitere beliebte Fehler zusammentragen, denn diese Liste ist längst noch nicht vollständig.

Geschichten entwickeln mit Moderationskarten

Seit geraumer Zeit brüte ich über einer neuen Romanidee. Aber ich kam ewig nicht voran. Mein Problem: Ich hatte zu viele Geschichten im Kopf, die ich alle unter einen Hut bringen wollte. Die Anzahl von Personen und Erzählsträngen wurde immer größer und unübersichtlicher. Schließlich hatte ich einen regelrechten Knoten im Gehirn. Eine Million Informationen hatten sich so ineinander verkeilt, dass ich überhaupt nicht mehr durchblickte. Und obwohl ich viele gute Einfälle hatte, schien es, als könnte daraus nie eine brauchbare Geschichte werden. Frustriert schob ich das Projekt immer wieder zur Seite und widmete mich anderen Arbeiten.

Aber dann besann ich mich darauf, was ich im Coaching mache, wenn ein Kunde mit seinen Themen feststeckt: Ich lege mit ihm zusammen die Karten. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das ist aber überhaupt nicht spirituell oder esoterisch gemeint. Vielmehr geht es um Moderationskarten, die in verschiedenen Formen und Farben erhältlich sind. Ersatzweise tun es aber auch Karteikarten oder einfaches Papier, das man sich zurechtschneidet.

Diese Karten beschriften wir und breiten sie auf dem Fußboden aus. Von oben hat man einen besseren Überblick und kann sich bei Bedarf auch um die Karten herumbewegen oder sogar darauf stellen. Außerdem hilft Bewegung super, um kreative Prozesse in Gang zu bringen. Da reichen manchmal schon ein paar Schritte durchs Wohnzimmer. Nun schieben wir die Karten hin und her und ordnen sie dem Thema entsprechend einander zu. Es ist erstaunlich, wie schnell man plötzlich erkennt, wo es klemmt und was man tun muss, damit sich alles gut fügt.

So, und genau diese Technik wandte ich nun für meinen Plot an. Zuerst habe ich die Namen aller wichtigen Figuren aufgeschrieben (was hier beispielhaft » 1« heißt, erhielt bei mir einen richtigen Namen). Dann habe ich die Figuren in Beziehung zueinander gesetzt. Auf anderen Karten schrieb ich, soweit schon vorhanden, Themen und Handlungsstränge auf. Nun ordnete ich diese Karten alle den Figuren zu. Wichtig dabei: Je konkreter man wird, desto besser. Wenn man also einen dramatischen Todesfall plant, sollte man das auch schreiben und es nicht bei einem schwammigen »schreckliches Unglück« belassen.

Es war verblüffend. Innerhalb weniger Minuten wurde mir etwas klar, das ich zwar schon die ganze Zeit geahnt, aber bislang nie wirklich beachtet hatte: Im Grunde hatte ich zwei Geschichten miteinander verwoben. Die Figuren A-D bilden eine Geschichte, die Figuren 1-3 eine andere. Ich hatte krampfhaft versucht, all diese Figuren unter einen Hut zu bringen. Was für ein Unsinn das war, wurde mir erst beim Anordnen der Karten bewusst.

Anschließend ging vieles fast von selbst. Handlungsabläufe, Krisen, Entwicklungen – alles war auf einmal da. Da  ich die Hälfte der Informationen, die mein Gehirn verstopft hatten, zur Seite schieben konnte, hatte ich auf einmal viel Raum zum Nachdenken. Und schon sah alles erheblich übersichtlicher aus. Plötzlich sprudelten die Ideen nur so aus mir heraus und innerhalb einer halben Stunde hatte ich einen groben Rahmen für den Plot abgesteckt.

Und nun schaffte ich es endlich auch, klare Entscheidungen zu treffen und fand sogar Wege, wie ich beide Geschichten an einigen losen Enden miteinander verknüpfen kann. Ob das wirklich klug und sinnvoll ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Aber erst mal lasse ich diese abenteuerlichen Ideen zu, um meine Kreativität weiter anzukurbeln. Bei solchen kreativen Prozessen ist es wichtig, sich nicht selbst zu zensieren. Aussortieren kann man später immer noch in aller Ruhe.

Probiert es doch selbst mal aus. Die Arbeit mit Moderationskarten eignet sich besonders

  • beim Entwickeln von Geschichten
  • beim Strukturieren einer Romanhandlung
  • um Beziehungen zwischen Figuren zu verdeutlichen
  • beim Entwickeln einzelner Szenen
  • um Spannungsbögen herauszuarbeiten

Wie Ihr die Karten anordnet, bleibt Euch überlassen, da gibt es überhaupt keine Regeln. Hilfreich ist es allerdings, bestimmte Themen in Form und/oder Farbe einheitlich zu halten. Ich habe zum Beispiel  für alle weiblichen Figuren runde rote Karten gewählt und für alle männlichen runde gelbe. Das half mir, den Überblick zu behalten und bestimmte Konstellationen sehr schnell zu erkennen.

Und noch ein Tipp: Macht von Eurem Kartenbild in den unterschiedlichsten Phasen Fotos, damit Ihr auch Zwischenschritte dokumentiert. Manchmal stellt sich im Nachhinein nämlich heraus, dass eine zwischenzeitliche Idee sinnvoller war als das vermeintliche Endergebnis.

Wie schreibt man eine Rezension? Teil 3

Bei der Zusammenfassung und Bewertung einer Rezension herrscht oft Unsicherheit. Wie viel darf ich vom Inhalt preisgeben? Wie verpacke ich Kritik? Diesen Punkten widme ich daher hier etwas mehr Aufmerksamkeit. Bitte beachtet, dass ich davon ausgehe, dass Ihr Kundenbewertungen schreibt, keine wissenschaftliche Literaturkritik und auch keine Kritik fürs Feuilleton. Die Unterschiede erkläre ich im ersten Teil dieses Schreibtipps.

Die Zusammenfassung

Die Zusammenfassung solltet Ihr kurz und knapp halten. Stellt Euch dabei folgende Fragen: Worum geht es in diesem Buch? Was ist das Thema? Beantwortet diese Fragen mit zwei, drei Sätzen. Das genügt.

Aber was genau ist mit Thema gemeint? Ich gebe Euch ein Beispiel. Die Inhaltsangabe zu meinem Roman Ebbe und Glut lautet:

Mias Leben steckt fest. Erst ist ihr Mann weg, dann der Job. Und das alles kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Doch dann stößt sie in einem Magazin auf eine Kontaktanzeige. Da sucht ein Mann gegen Geld eine Frau für sexuelle Dienste. Mia ist schockiert. Und dennoch ist diese Anzeige seit Langem das Einzige, wofür sie sich begeistern kann.
Arthur ist ein Ekel. Arrogant, kalt und herablassend. Mia mag diesen widerlichen Anzugträger nicht. Gleichzeitig ist sie von seiner Ausstrahlung fasziniert. Als Mia sich auf Arthur einlässt, gerät ihr ganzes Leben in Bewegung.

In einer Rezension zu diesem Roman heißt es: „Der Autorin ist es gelungen ein komplexes Thema, nämlich die großen und kleinen Lebenskrisen in der Mitte des Lebens, so zu beschreiben, das keiner Angst vor dem Älterwerden haben muss.“

Das fand ich großartig, denn genau darum geht es in dieser Geschichte, das ist das Thema. Und das Beste daran: Die Rezensentin gibt mit keinem Wort etwas vom Inhalt preis.

Ich weiß, oft sind wir von einer guten Geschichte so beseelt, dass wir ein enormes Mitteilungsbedürfnis verspüren. Wir wollen unbedingt aller Welt erzählen, wie großartig die Entdeckung war, dass die Protagonistin unsterblich ist und der tödliche Dolchstoß ihr in Wahrheit nichts anhaben konnte. Und wie wir mitgelitten haben, als die geliebte Frau des Protagonisten vom Auto überfahren wurde. „Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel verraten“, steht dann gelegentlich fast ein wenig schuldbewusst dabei. Leider kann ich da nur sagen: Liebe Rezensentin, lieber Rezensent, du hast sehr wohl viel zu viel verraten. Und das ist schlecht. Denn du nimmst anderen Lesern das Vergnügen, überrascht zu werden.

Hinweise auf überraschende Wendungen haben nichts in einer Rezension verloren, nicht einmal in Andeutungen. Und wie die Geschichte ausgeht, hat selbstverständlich erst recht nichts in einer Rezension verloren. Ich erinnere mich gut daran, wie sauer Til Schweiger in einer Talkshow war, als der Moderator das Ende seines neusten Films verriet. „Es war doch klar, worauf das hinausläuft“, begründete der Moderator sein Ausplaudern. Til Schweiger daraufhin: „Nein, war es eben nicht.“ Ich konnte seinen Ärger verstehen. In einer guten Geschichte ist niemals klar, worauf sie hinausläuft, selbst dann nicht, wenn es in diesem Genre eine Happy End-Garantie gibt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum endlose Nacherzählungen schlecht sind: Sie sind langweilig. Ganz besonders dann, wenn es bereits hundert andere zu diesem Buch gibt. Doch nichts ist schlimmer, als  seine Leserinnen und Leser zu langweilen. Das solltet Ihr unbedingt vermeiden!

Schreibt also bitte keine Inhaltsangabe, schon gar keine Nacherzählung, lediglich eine Zusammenfassung, in der ihr die Aussage der Geschichte in ein, zwei Sätzen herausarbeitet. Und wenn Euch dazu partout nichts einfällt, dann lasst es bleiben. Eine gute Rezension muss nämlich nicht mal eine Zusammenfassung enthalten.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was Ihr denn dann überhaupt schreiben sollt. Nun, das ist ganz einfach: Eure persönlichen Eindrücke. Mehr dazu im nächsten Punkt.

Die Bewertung

Jetzt wird es persönlich. Eure Gefühle beim Lesen sind gefragt. Dieser Teil Eurer Rezension ist für die Leser der interessanteste. Sie wollen wissen, warum Ihr von diesem Buch so begeistert seid oder so enttäuscht. Je deutlicher Ihr Eure Einschätzung formuliert, desto leichter können die Leser eine Entscheidung treffen, ob sie dieses Buch auch gern lesen möchten. Ihr solltet Eurer persönlichen Einschätzung daher den meisten Platz in Eurer Rezension einräumen und Euch nicht davor scheuen, Emotionen preiszugeben.

Was hat Euch an diesem Buch gefallen? Was nicht? Habt Ihr beim Lesen viel gelacht? Wart Ihr berührt, habt vielleicht sogar geweint? Habt Ihr das Buch in einem Rutsch durchgelesen? Oder brauchtet Ihr drei Anläufe, weil das erste Kapitel so langatmig war? Habt Ihr anschließend noch lange über die Geschichte nachgedacht? Hat sie eine ungewöhnliche Botschaft transportiert? Oder habt Ihr Ähnliches schon x-mal gelesen?

Eure Begründung ist dabei ebenso wichtig wie Eure Einschätzung. Warum habt Ihr diesem Buch fünf Sterne verpasst? Oder nur zwei? Warum wart Ihr enttäuscht oder ärgerlich, vielleicht sogar wütend? Als Autorin bin ich irritiert, wenn jemand nur Gutes über eins meiner Bücher schreibt, aber abschließend nur drei Sterne vergibt. Offenbar gefiel dieser Leserin oder dem Leser das Buch doch nicht so recht. Aber woran das liegt, erfahre ich leider nicht. Schade.

Wichtig: Ihr dürft Bücher durchaus kritisch bewerten, aber verpackt die Kritik respektvoll und fair. Bedenkt, dass Autoren in der Regel sehr viel Zeit und Herzblut in eine Geschichte stecken. Manchmal arbeiten sie jahrelang an einem einzigen Buch. Dieses Werk mit wenigen Worten zu vernichten, ist leicht. Doch ist es auch angemessen? Überlegt genau, was Ihr an einem Buch bemängelt. Ist es wirklich schlecht geschrieben? Weist es tatsächlich formale oder inhaltliche Fehler auf? Dann solltet Ihr dies natürlich auch benennen – und zwar höflich! Aber vielleicht habt Ihr ja bloß einen anderen Lesegeschmack. Wenn Ihr normalerweise nur Krimis lest und Euch nun ausnahmsweise eine Liebesschmonzette vorgenommen habt, macht die Kritik, dass das Ende ja total vorhersehbar war, wenig Sinn. Das liegt am Genre, nicht unbedingt an der Unfähigkeit der Autorin oder des Autors. In diesem Fall wäre es vielleicht ratsamer, auf eine Rezension zu verzichten. Man muss nicht immer zu allem und jedem seinen Senf dazu geben.

Wie schreibt man eine Rezension? Teil 2

Im ersten Teil dieses Schreibtipps habe ich erklärt, welche verschiedenen Formen der Rezension es gibt. Nun geht es um die praktische Umsetzung. Dabei gehe ich davon aus, dass Ihr Kundenbewertungen schreibt, das heißt, Ihr möchtet andere Leser darüber informieren, wie Euch ein bestimmtes Buch gefallen hat. Ihr schreibt weder eine wissenschaftliche Literaturkritik noch eine Buchbesprechung fürs Feuilleton. Das solltet Ihr immer im Blick behalten.

1. Die Zielgruppe

Bevor Ihr loslegt, solltet Ihr Euch überlegen, für wen Ihr diese Rezension verfassen wollt. Sind Eure Leser Kunden bei Amazon? Oder Besucher eines Literaturforums? Fans Eures privaten Blogs? Sind es Jugendliche oder Hausfrauen? Lesen sie Liebesromane oder Krimis? Jede Zielgruppe hat andere Interessen. Folglich müsst Ihr auch unterschiedliche Schwerpunkte beim Schreiben setzen. Wichtig: Eure Rezension sollte für Eure Zielgruppe verständlich und interessant sein.

2. Allgemeine Angaben

In Onlineshops müsst Ihr keine Angaben zu den allgemeinen Daten wie Autor und Verlag machen, denn die stehen ja schon beim Werbetext mit dabei. In Eurem Blog oder einem Forum solltet Ihr diese Angaben der Vollständigkeit halber machen, selbst dann, wenn Ihr einen Link zur Verlagsseite oder einem Shop setzt. Folgende Angaben gehören zu einer Buchvorstellung: Titel, Autor, Verlag, Jahr der Veröffentlichung, Seitenzahl, Hardcover oder Paperback, Besonderheiten wie Illustrationen, bei E-Books auch das Dateiformat.

3. Aufbau

Im Prinzip seid Ihr völlig frei darin, wie Ihr Eure Rezension aufbaut. Vielleicht möchtet Ihr nur wenige, sehr emotionale Sätze schreiben. Das ist völlig in Ordnung. Vielleicht möchtet Ihr aber auch etwas ausführlicher werden. Dann ist es ratsam, Eurem Text ein Grundgerüst zu geben und dieses durch Absätze sichtbar zu machen. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr auch Zwischenüberschriften verwenden.

Fangt am besten mit einem persönlichen Einstieg an, mit dem Ihr die Leser neugierig macht. Etwa so: „Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so berührt hat wie dieses.“ Oder: „Eigentlich mag ich diese Art Bücher sehr. Aber diesmal war ich enttäuscht.“

Anschließend folgt die Zusammenfassung, in der Ihr mit wenigen Sätzen beschreibt, worum es in dieser Geschichte geht. Wichtig: Eine Zusammenfassung ist keine Nacherzählung. Fasst Euch also kurz! Und verratet auf gar keinen Fall überraschende Wendungen aus dem Buch! Damit bringt Ihr andere Leser nur um ihr Lesevergnügen.

Danach kommt der wesentlichste Teil: Eure Bewertung. Was hat Euch gefallen? Was nicht? Und warum? Hier dürft Ihr Emotionen ins Spiel bringen. Habt Ihr gelacht? Geweint? Wart Ihr enttäuscht oder verärgert? Dieser Teil sollte der ausführlichste Eurer Rezension sein.

Schließt Eure Bewertung mit einem Fazit ab, in dem Ihr noch mal in ein, zwei Sätzen zusammenfasst, was Eurer Meinung nach gut und was weniger gut an diesem Buch ist.

4. Stil

Fasst Euch kurz! Niemand möchte langatmige Beschreibungen und endlose Nacherzählungen lesen. Ihr seid im Internet unterwegs, da klicken die Leute schnell weiter, wenn Ihr ihre Aufmerksamkeit nicht fesselt.

Schreibt kurze Sätze! Macht lieber öfter mal einen Punkt. Das rate ich besonders all jenen unter Euch, die mit der Zeichensetzung auf Kriegsfuß stehen. In kurzen Sätzen müsst Ihr maximal ein Komma setzen, das schafft man meistens noch. In Bandwurmsätzen kann man sich hingegen durchaus mal verheddern – und zwar sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen!

Schreibt persönlich! Eure Emotionen sind gefragt. Was hat Euch an diesem Buch so begeistert? Was hat Euch geärgert? Bringt das zum Ausdruck, indem Ihr von Euch selbst sprecht: „Ich habe mich geärgert.“ klingt viel direkter als „Das ist ärgerlich.“

Im dritten Teil dieses Schreibtipps gehe ich noch einmal ausführlicher auf die Zusammenfassung und Bewertung ein.

Wie schreibt man eine Rezension? Teil 1

Ich freue mich immer sehr, wenn eins meiner Bücher eine Rezension erhält, die so begeistert klingt, dass ich spüre: Hier hat jemand mit großem Vergnügen meine Geschichte gelesen und möchte dieses Vergnügen gern mit anderen Lesern teilen. Natürlich muss ich auch kritische Stimmen aushalten, aber wenn die Kritik fair und nachvollziehbar formuliert wurde, kann ich damit besser umgehen, als wenn sie abfällig oder herablassend wirkt. Und auch dies gibt es: Rezensionen, in denen die spannendsten Momente der Geschichte ausgeplaudert werden. Oder hingerotzte Sätze, die mich ratlos zurücklassen. Nur drei Sterne, obwohl keine Kritikpunkte angeführt werden. Und so weiter und so fort.

Es scheint so, als sei es recht kompliziert, eine gute Rezension zu schreiben. Doch das stimmt nicht. Man muss nur ein paar Dinge beachten. Welche das sind, erläutere ich in diesem kleinen Schreibtipp.

In Teil 1 erkläre ich, was eine Rezension ist. In Teil 2 und 3 gibt es praktische Tipps fürs Selberschreiben.

Was ist eine Rezension?

Das Wort Rezension stammt von dem lateinischen Wort recensio ab, was so viel wie Musterung bedeutet. Statt Rezension sagt man auch Besprechung oder Kritik. Es geht also um eine Begutachtung und Bewertung, die sich grundsätzlich auf jegliche Form der künstlerischen Darbietung beziehen kann (Literatur, Musik, Film, Theater, …). Ich befasse mich im Folgenden nur mit Buchrezensionen, wobei das meiste, was ich dazu schreibe, auch für andere Formen der Rezension gilt.

Welche Formen der Rezension gibt es?

In einer Literaturkritik, wie Ihr sie vielleicht noch aus der Schule kennt, gibt man den gesamten Inhalt eines Buchs wieder. Außerdem wird das Buch nach wissenschaftlichen Kriterien analysiert. Dabei geht man sehr schematisch vor, untersucht Inhalt, Aufbau und Stil, zieht andere Bücher und die Kritiken anderer Leser heran, vergleicht, bewertet und nimmt eine persönliche Einschätzung vor.

Im Journalismus dienen Buchkritiken in der Regel dazu, auf ein neu erschienenes Buch aufmerksam zu machen. Sie werden in allen Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Internet veröffentlicht und können kurz und knapp ausfallen, aber auch sehr ausführlich und geradezu kunstvoll geschrieben sein. Auch journalistische Kritiken enthalten persönliche Wertungen. Der Verfasser einer Buchkritik darf ganz unverblümt schreiben, wie ihm das Buch gefallen hat. In großen Zeitungen wie der FAZ oder der ZEIT nehmen einzelne Rezensionen im Feuilleton manchmal eine ganze Seite ein. Dann sind sie oft schon Essays, also Abhandlungen, in denen sich der Autor auf sehr persönliche Weise intensiv mit einem Thema auseinandersetzt.

In vielen Onlineshops könnt Ihr Kundenrezensionen zu den jeweiligen Produkten verfassen. Dabei geht es in erster Linie darum, anderen Lesern eine Kaufentscheidung zu ermöglichen. Wie hat Euch das Buch gefallen? Was fandet Ihr besonders gelungen, was weniger gut? Was sollten andere Käufer vor dem Lesen unbedingt wissen? Diese Form der Rezension schauen wir uns im nächsten Teil genauer an, denn Ihr werdet in der Regel weder wissenschaftliche noch journalistische Kritiken verfassen, sondern eben eine Kundenrezension, um anderen Lesern ein Buch zu empfehlen, das Euch besonders gut gefallen hat.

In Teil 2 geht es nun um die praktische Umsetzung.

Ein Krimi, der gar kein Krimi ist

Fünf Jahre ist es her, seit ich Das Haus der Medusa geschrieben habe. Nachdem es beim Krimi-Wettbewerb keinen Anklang fand, verschwand das Manuskript in der hintersten Ecke meines Büroschranks. Rückblickend empfand ich dieses Schreibprojekt als sehr anstrengend und quälend. All die düsteren Geschichten, die mir die Figuren erzählt hatten, drückten auch meine Stimmung monatelang nieder. Das wollte ich nicht noch mal erleben. Daher entschied ich für mich, dass ich keine Krimi-Autorin war und mich zukünftig in erster Linie dem Schreiben von Frauenromanen widmen wollte.

Doch dann kam im Herbst 2013 plötzlich eine Lawine ins Rollen. Jetzt war klar, dass ich die Medusa veröffentlichen musste. Alles war in meiner Fantasie noch genauso da, wie ich es verlassen hatte. Das alte Haus in Hamburg-Altona, seine eigenwilligen Bewohner, die Backstube der Zuckerbäckerin Florentine, und, und, und. Figuren und Schauplätze begrüßten mich wie gute Freunde, die sich länger nicht hatten blicken lassen. Auf einmal fühlte ich mich geradezu verpflichtet, ihre Geschichte in die Welt zu bringen.

Und so setzte ich mich hin und überarbeitete das Manuskript gründlich. Denn eins war klar: Der enorme Zeitdruck, unter dem ich die Geschichte erzählt hatte, tat ihr nicht an allen Stellen gut. Neben sprachlichen Feinheiten habe ich auch inhaltlich einiges verändert. Szenen, die teilweise recht holzschnittartig geraten waren, erhielten nun eine komplexere Gestalt. Normalerweise tut es jedem Manuskript gut, wenn man beim Überarbeiten kräftig kürzt. Diesmal jedoch war es anders herum: Insgesamt sind fast 20 Normseiten zur Geschichte hinzugekommen, und nach den Reaktionen meiner Testleser zu urteilen, war das eine richtige Entscheidung.

Außerdem stellte ich fest: Die Geschichte, die ich jahrelang als Krimi bezeichnet hatte, ist streng genommen gar kein Krimi. Jedenfalls keiner im klassischen Sinne mit Toten, Mördern und den üblichen Ermittlungsarbeiten der Polizei. Es ist eher ein Drama, eine Tragödie, abgründig, skurril und – das sagen jedenfalls meine ersten Leser – mit rabenschwarzem Humor. Folglich werde ich das Buch nun auch nicht mehr explizit als Krimi anpreisen. Es ist, was es ist und lässt sich, ähnlich wie Ebbe und Glut, nicht eindeutig einem einzigen Genre zuordnen.

Nun ist diese Geschichte, die ich nicht mehr Krimi nennen möchte, fertig. Insgesamt hat die Überarbeitung genauso lange gedauert wie der eigentliche Schreibprozess. So ist das, wenn man plötzlich keinen Termindruck mehr hat. Der Werbetext steht auch schon und das Cover ist so gut wie fertig – behaupte ich jetzt einfach mal, um mich selbst voranzutreiben und zu klaren Entscheidungen zu zwingen. Für alle Neugierigen gibt es bereits in wenigen Tagen eine kostenlose Leseprobe. Der gesamte Roman ist ab Mitte Februar erhältlich.

Das Krimi-Experiment Teil 4

Ich verzweifle gerade ein wenig, weil ich mich nicht für das passende Cover entscheiden kann. Also habe ich ein paar Freunde um Rat gefragt. Schwerer Fehler. Fünf Freunde, fünf Meinungen. Jetzt bin ich so schlau wie am Anfang. Meine Grafikerin hält tapfer durch, macht immer neue Vorschläge, überarbeitet alte und scheint sich von meiner Ratlosigkeit nicht erschüttern zu lassen.
Vor fünf Jahren rang ich noch mit ganz anderen Themen. Da hatte ich Ende März auf den letzten Drücker das Manuskript für den Krimi-Wettbewerb fertig. Doch lest selbst:

 

31. März 2009

Der Krimi ist fertig. Am letztmöglichen Tag habe ich ihn zur Post gebracht und mich dabei gefühlt wie eine Mutter, die ihr Kind hinaus in die Welt schickt. Wachsam habe ich überwacht, dass auf der Wertmarke das aktuelle Datum gut zu sehen war, und misstrauisch frage ich mich bis heute, ob ich mein Päckchen der Deutschen Post wirklich anvertrauen konnte. Nicht auszudenken, wenn mein Schatz irgendwo unterwegs hängen bleibt oder ganz verloren geht. Aber wenn alles nach Plan gelaufen ist, dann sollte er jetzt bereits auf einem fremden Schreibtisch liegen. Wir dürfen gespannt sein.

Das Experiment ist damit gelungen. Ich habe innerhalb von zwei Monaten einen Roman geschrieben, der rund 200 Normseiten umfasst. Unterwegs ist viel passiert, fast kommt es mir so vor, als hätte ich die Geschichte, die ich aufgeschrieben habe, selbst erlebt. Immer wieder bin ich in dieser Zeit an meine Grenzen gekommen, körperlich und emotional. Je länger ich mit dem Projekt befasst war, desto mehr habe ich mein restliches Leben ausgeblendet und desto intensiver bin ich eingetaucht in die Geschichte, die sich dank meiner Gedanken und meines fleißigen Aufschreibens von Tag zu Tag mehr entfaltete. Mein Haushalt brach zeitweise zusammen, weil ich keine Zeit mehr fand, sauber zu machen, einzukaufen, Essen zu kochen. Nachts träumte ich von den Figuren, die ich selbst zum Leben erweckt hatte – sofern ich überhaupt schlief und nicht innerlich bereits am nächsten Kapitel bastelte.

Ein paar Mal wollte ich alles hinwerfen. Viele Male glaubte ich, nicht fertig zu werden. Noch häufiger hegte ich große Zweifel, ob ich wirklich eine gute Geschichte erzählt habe. Doch ich finde immer mehr, dass es darauf gar nicht ankommt. Das ist, um in dem Bild zu bleiben, mit dem Frau Brown mich immer wieder ermutigt hat, wie bei einem Marathonlauf. Am Ende zählt nur, dass man angekommen ist. Schön, wenn man dabei auch noch eine persönliche Bestzeit gelaufen ist, wirklich wichtig ist das aber nicht. Und dass es viele, viele andere Läufer gab, die erheblich schneller waren als man selbst, zählt überhaupt nicht. Man weiß ja schließlich vorher, dass man gemeinsam mit der Elite an den Start geht, die man niemals einholen kann, selbst wenn man das Rennen seines Lebens gelaufen ist.

Nachdem alle Kapitel standen und ich das Manuskript an meine Testleser geschickt hatte, spürte ich erst, wie erschöpft ich war, wie anstrengend dieser Kraftakt wirklich war. Mich noch mal hinzusetzen und Überarbeitungen vorzunehmen, war mir fast nicht mehr möglich. In meinem Kopf herrschte plötzlich nur noch eine ganz große Leere. Kritische Punkte konnte ich daher auch nur oberflächlich korrigieren, die ganz großen Veränderungen waren einfach nicht mehr drin, obwohl es zeitlich noch locker hingehauen hätte. So habe ich die letzten zwei Wochen vor dem Abgabetermin in einer Art Vakuum gelebt, mich an den Komplimenten gefreut, die ich erhielt, mich von der Kritik deprimieren lassen – und dann am Ende beschlossen, dass die Geschichte jetzt einfach fertig sei. Natürlich kann man immer vieles anders erzählen, besser machen, klüger, pfiffiger, origineller. Manchmal ist das aber auch leichter gesagt als getan. Die meisten meiner Testleser fühlten sich zumindest gut unterhalten, und das war das schönste Kompliment, das sie mir machen konnten. Alles andere wird die Zeit zeigen.

Ganz besonders möchte ich Beate Brown danken, die mich während dieser Monate sehr intensiv begleitet hat, liebevoll und aufmunternd, kritisch und fordernd, am Ende fast ein wenig ärgerlich, weil einiges anders geworden ist, als sie es sich ursprünglich erhofft hatte. Aber sie hat mir sehr viel Mut gemacht, gerade auf den letzten schweren Metern, auf denen jeder Schritt zur Qual wurde und ich kaum noch denken konnte vor Erschöpfung.

Ich komme jetzt langsam wieder an in meinem Alltag und nehme Schritt für Schritt wieder meinen gewohnten Tagesrhythmus auf. Hinter mir liegt eine intensive, anstrengende Zeit. Aber sie hat sich gelohnt, jeden Augenblick lang.

Das Krimi-Experiment Teil 3

Die Vorbereitungen zur Veröffentlichung meines neuen Romans laufen auf Hochtouren. Nur noch wenige Tage, dann ist es soweit. Vorher kommt hier Teil 3 zur Entstehungsgeschichte des Romans:

26. Februar 2009:

Der Krimi gedeiht langsamer als erhofft und schneller als erwartet. Kapitel 6 von 12 steht in der Rohfassung. Obwohl ich in dieser Woche relativ viel Zeit zum Schreiben hatte, bin ich nicht mehr im Zeitplan und das Schreiben fällt mir von Seite zu Seite schwerer.

Marathonläuferin Beate Brown (die sich fein aus dem Staub gemacht hat und erst mal in Urlaub gefahren ist, während ich hier schufte) behauptet, ab Kilometer 22 laufe man nur noch nach Hause. Ich habe jedoch das Gefühl, dass es nach meiner Halbzeit erst richtig losgeht und ich die härtesten Etappen noch vor mir habe.

Dieses Projekt ist in jeder Hinsicht eine sehr neue Erfahrung für mich. Zum ersten Mal muss ich auf Kommando schreiben. Das kenne ich sonst nur vom Schreiben von Werbe- und Sachtexten, nicht aber vom literarischen Arbeiten. An manchen Tagen läuft es ganz gut, meistens aber brauche ich viele Anläufe und große Überwindung, bis ich in Schwung gekommen bin.

Ebenfalls zum ersten Mal muss ich sehr strukturiert und diszipliniert an eine Geschichte herangehen. Das fällt mir schwer und ich habe prompt schon im dritten Kapitel meine Storyline über Bord geworfen. Hinterher plagten mich Zweifel, ob das eine gute Idee war, und um ein Haar wäre das ganze Projekt an der Irritation über mein eigenes, spontanes Handeln gescheitert.

Das ist überhaupt die größte Herausforderung: Ich muss zum ersten Mal alle Zweifel und Unsicherheiten ausblenden, damit ich genug Konzentration und Energie für die Arbeit finde. Sonst werde ich nicht rechtzeitig fertig. Ich kann es mir nicht erlauben, ganze Kapitel oder sogar das gesamte Konzept über Bord zu werfen und noch einmal zu beginnen. Den Kurs, den ich anfangs eingeschlagen habe, muss ich halbwegs beibehalten.

Ich bin ziemlich erschöpft. Nachts träume ich manchmal von dem Krimi. Und tagsüber ertappe ich mich dabei, wie ich mich gedanklich bereits anderen Projekten zuwende. Ganz tief in meinem Inneren habe ich den Krimi bereits beendet, daher fällt es mir wohl so schwer, ihn nun auch noch ans Tageslicht zu befördern und aufzuschreiben. Aber ich bleibe dran und kämpfe weiter.