Lammspieße auf Couscous

Es ist für Autoren nicht leicht, ein Buch bei einem Verlag zu veröffentlichen. Damit Verlage dem wirtschaftlichen Druck standhalten können, publizieren sie zunehmend Bücher, die sich voraussichtlich sehr gut verkaufen – ungeachtet der Qualität. Für unseren Kurzgeschichtenband „Moodcooking – Aus dem Suppentopf der Gefühle“ erhielten Elke Rathsfeld und ich unzählige Absagen. Wohlgemerkt keine Standardabsagen, sondern persönlich formulierte Briefe, in denen uns die Lektoren versicherten, dass wir wundervolle Texte geschrieben hätten, diese aber vermutlich kein Mensch lesen wolle. Die Geschichten seien – man glaubt es kaum – zu anspruchsvoll.
In einem Fall war die Absage besonders bitter, da der Kontakt über eine Literaturagentin hergestellt worden war, die uns große Hoffnungen gemacht hatte. Unsere Enttäuschung war riesig – und ich setzte mich hin und verarbeitete sie literarisch. Das Ergebnis ist die letzte Geschichte in „Moodcooking“, das wir dann übrigens als Selfpublisher herausbrachten.

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Rache ist süß, sagt der Volksmund. Ich finde allerdings, dass Rache ein sehr hässliches Wort ist. Es klingt nach Niedertracht und Bösartigkeit. Das hat nichts mit dem zu tun, was Rosi und ich getan haben. Wir wollten einfach nur eine Art ausgleichender Gerechtigkeit für das Unrecht erhalten, das uns widerfahren war. Und ich finde, das ist uns auch gut gelungen.

Rosi und ich haben uns vor fünf Jahren mit einem Cateringservice selbstständig gemacht. Seitdem kochen und backen wir auf Bestellung für große Feiern, kleine Feiern, offizielle Anlässe und Privatpartys. Unser kleines Unternehmen läuft gut, wir können nicht klagen. Besonders gern denke ich an das hundertjährige Firmenjubiläum des Verlags Kampmann & Hoffe zurück. Es zählt eindeutig zu den Höhepunkten unserer Karriere.
Die Leute glauben immer, wir hätten so großen Erfolg, weil wir viel Wert auf Qualität legen und ständig neue, ungewöhnliche Rezepte kreieren. Natürlich spielt das auch eine Rolle. Aber der wahre Grund für unseren Erfolg ist die Magie, die unsere Kunden aus jedem noch so kleinen Törtchen, jedem winzigsten Stück Brot oder Fleisch herausschmecken.
„Welche Magie?“, fragen Sie nun vielleicht und ziehen erstaunt die Augenbrauen hoch.
Na, Magie eben. Der kleine Zauber, den wir jederzeit zum Leben erwecken können, wenn wir nur wollen. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Gefühle, mit denen Sie kochen, in all Ihren Speisen stecken und sich beim Essen auf Ihre Gäste übertragen?
Sie ziehen Ihre Augenbrauen noch ein Stückchen höher und zweifeln an meinem Verstand? Ja, das hat Axel Klinger von Kampmann & Hoffe auch getan. Und es ist ihm nicht gut bekommen, das kann ich Ihnen versichern.

Teil 2

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