Mia und Arthur

Der Februarwind blies von der Elbe herauf. Mia zog fröstelnd die Schultern hoch. Sie zögerte. Arthurs herablassende Bemerkung ärgerte sie. Andererseits war sie jetzt schon so weit gegangen. War es nicht albern, in letzter Sekunde zu kneifen? Noch dazu bei einem so gut aussehenden Mann?
»Also gut«, sagte sie entschieden, »wir probieren es mal. Aber ich gehe sofort, wenn ich mich unwohl fühle. Und ich will sechzig Euro für jedes Kommen haben.« Der Doppeldeutigkeit ihres letzten Satzes wurde sie sich erst bewusst, als sie ihn bereits ausgesprochen hatte.
Arthur runzelte die Stirn. »Wie lange werden Sie wohl alles in allem für Ihren Job brauchen? Zehn Minuten? Eine Viertelstunde? Das macht bei fünfzig Euro also mindestens zweihundert pro Stunde. Finden Sie nicht, dass das schon ein ganz guter Satz ist?«
»Außergewöhnliche Jobs sollte man auch außergewöhnlich bezahlen«, entgegnete Mia. Die Sache fing an, ihr Spaß zu machen.
»Einverstanden.« Arthur streckte ihr die Hand entgegen. »Sechzig Euro, keine Fragen und absolute Diskretion.«
Sie besiegelten ihren Vertrag mit einem festen Händedruck.
Mia stand auf. »Wollen Sie, dass ich sofort mit der, äh, Arbeit anfange, oder soll ich in den nächsten Tagen wiederkommen?«
Arthur erhob sich ebenfalls. »Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne sofort beginnen. Dann sehen wir gleich, ob es auch funktioniert.«

Aus Ebbe und Glut.
Lust auf mehr? Den Roman gibt es u. a. bei Amazon, Thalia, Hugendubel.

Advertisements

Pizza Salami – 10

zum 1. Teil

Doch sie fragte zu seiner großen Überraschung:
»Was ist denn Ihr Lieblingsessen? Von Pizza mal abgesehen.«
Robert schüttelte irritiert den Kopf. Entenbrust in Orangensauce und als Nachtisch hausgemachtes Tiramisu, schoss ihm durch den Kopf. Aber er schwieg.
»Wissen Sie was?« Karin schaute nun nicht mehr mitleidig, sondern hatte wieder dieses fröhliche Blitzen in ihren Augen. »Bei uns gibt es heute Spaghetti Bolognese. Das ist das Lieblingsessen meines Sohnes. Vielleicht mögen Sie uns ja Gesellschaft leisten.«
Spaghetti Bolognese. Mit gehacktem Lammfleisch. Und frischen Kräutern und Karotten. Und geriebenem Parmesan. Marianne hatte dieses Essen geliebt. Robert wusste nicht, ob Karin eine gute Köchin war. Auf jeden Fall würde ihre Bolognese anders schmecken als Mariannes. Sie würde sicher kein Lamm nehmen, sondern Schwein oder Rind. Und vielleicht gab es keine frischen Kräuter in ihrer Soße. Und er wäre darüber enttäuscht.
Doch dann dachte Robert an seine Orgie vom vergangenen Freitag. Nichts konnte schlechter schmecken als eine pappige Pizza Salami, die hauptsächlich aus Konservierungsmitteln und Geschmacksverstärkern bestand. Das ganze Leben geht durch den Magen, hörte er Marianne sagen, und er sah Karin an, der eine blonde Strähne in das hübsche Gesicht fiel, und für die gerade die Zeit stillzustehen schien. Robert legte die Pizza Salami in die Kühltruhe zurück.
»Ehrlich gesagt hasse ich Pizza«, sagte er zu Karin.

Ende

Pizza Salami stammt aus dem Buch „Moodcooking – Aus dem Suppentopf der Gefühle“, das in jedem Onlineshop erhältlich ist.

Pizza Salami – 9

Zum 1. Teil

Am Dienstag fuhr Robert wieder einkaufen. Seine Vorräte waren außerplanmäßig aufgebraucht. Aus alter Gewohnheit schob er im Supermarkt seinen Einkaufswagen zur Tiefkühltruhe und griff nach einer Pizza Salami.
»Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie Ihre ganzen Pizzen schon aufgegessen haben.«
Robert zuckte zusammen, als er die Stimme einer Frau in seinem Nacken vernahm. Er drehte sich um und blickte direkt in Karins amüsiertes Gesicht. Verlegen sah Robert auf den Pappkarton, den er in seiner Hand hielt. Er fühlte sich wie ertappt. Seit vier Jahren kaufte Robert Woche für Woche Tiefkühlpizza, aber nun empfand er plötzlich so etwas wie Scham darüber.
»Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich sonst essen soll«, sagte er und merkte selber, wie eigenartig das klang.
Es trat eine Pause ein, in der die Kälte der Pizza in Roberts Finger kroch und Karin ihn nachdenklich musterte, bis er den Blick peinlich berührt abwandte.
»Kochen Sie denn nie selbst?«, fragte Karin schließlich.
Er schüttelte stumm den Kopf. Nach einer weiteren Pause sagte er:
»Das hat meine Frau früher immer gemacht.«
Der Boden unter ihm schien zu schwanken und er umklammerte, nach Halt suchend, den Pappkarton, in dem die Pizza schon etwas weich zu werden begann.
»Und die ist jetzt nicht mehr da?« Karin sprach die Worte behutsam aus, aber sie trafen ihn doch wie ein Keulenschlag. Sie war noch nicht lange genug in der Firma, um seine Tragödie mitbekommen zu haben.
»Nein. Sie ist gestorben.«
Er sah die Bestürzung in Karins Gesicht, das Mitleid, das immer alle zeigten und das er nicht mehr ertragen konnte. Abrupt drehte er sich weg und legte die Pizza in seinen Einkaufswagen. Jetzt würde Karin gleich Beileidsbekundungen von sich geben und sagen, dass sie wisse, wie schwer es sei, alleine zu sein. Und dann würde er gehen und hoffen, ihr so schnell nicht wieder begegnen zu müssen.

Fortsetzung folgt …

Pizza Salami – 8

zum 1. Teil

In Roberts Innerem geriet alles durcheinander. Salami und Champignons schienen sich nicht zu vertragen, die holzige Ananas rieb an seinen Eingeweiden, der Gummikäse und der Schuhsohlenschinken bereiteten ihm Übelkeit. Er war nicht mehr hungrig, aber auch nicht satt. Er fühlte sich nur noch krank. Am liebsten wollte er sterben, so wie Marianne. Einfach nicht mehr sein. Fort. Weg. Ruhe haben. Marianne, ja, die hatte jetzt ihre Ruhe, die hatte sich einfach davongemacht und ihn ihm Stich gelassen, nur ein knappes Jahr nach ihrer Hochzeit.
Zorn über diese schreiende Ungerechtigkeit wallte in Robert auf und brach zusammen mit Pizzateig, Salami und Champignons vulkanartig aus ihm hervor. Er würgte und würgte, bis er erschöpft und vollkommen leer auf dem Boden des Badezimmers zusammensackte. Anschließend kroch Robert in sein Bett und versank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Teil 9