Pizza Salami – 3

zum 1. Teil

In dieser Woche würde Robert nicht verreisen, sondern zuhause bleiben. Er hatte nicht den Mut gefunden, eine Reise zu buchen. Daher kaufte er am Freitag, seinem letzten Arbeitstag, nicht nur eine Pizza Salami und eine Pizza Thunfisch, sondern jeweils zwei von jeder Sorte. Außerdem kamen noch eine Pizza Hawaii, eine Vier Jahreszeiten und eine Spinatpizza mit Feta dazu. Langsam schob Robert seinen Einkaufswagen durch die Gänge zum Brotregal, wo er zum ersten Mal an diesem Tag aus dem Tritt kam. Das Golden Buttertoast, das er immer kaufte, war aus. Nun hatte er die Wahl zwischen Vollkorntoast oder American Sandwich-Toast, dessen Scheiben sehr weiß und sehr groß waren. Robert zögerte. Unsicher griff er nach einer Packung Vollkorntoast, doch das sah wahnsinnig gesund aus. Robert legte die Packung zurück.
»Robert Krämer?«
Eine Frauenstimme, die von links kam, riss ihn aus seinen Überlegungen. Als Robert irritiert den Kopf drehte, sah er neben seinem Einkaufswagen einen anderen Wagen stehen und dahinter die blonde Karin aus der Buchhaltung.
»Hallo«, sagte Robert unsicher, weil ihm Karins Nachname nicht mehr einfiel. Karin musterte ausgiebig seine Einkäufe:
»Kriegen Sie Besuch?«, fragte sie.
»Warum?«
»Na, wegen all der Pizzen.«
Robert erfasste mit einem schnellen Blick das frische Gemüse in Karins Wagen, Tomaten, Auberginen, ein Bund Suppengrün, Zwiebeln, die neben Äpfeln, Eiern, Milch, Joghurt, Reis und Cornflakes lagen. Er schluckte. Robert stand hier mit nichts als sieben Kartons voller Tiefkühlpizza, von denen eine ekelhafter als die andere nach künstlichen Aromen und billigen Zutaten schmeckte. Dieses widerliche Fertigessen bildete die Eckpfeiler seines Urlaubs. Samstag Salami, Sonntag Thunfisch, Montag Spinat. Robert wusste nicht, was er sagen sollte.
Erneut schluckte er und murmelte fast trotzig: »Ich esse gerne Pizza«, bevor er seinen Wagen weiter schob, weg aus Karins Blickfeld.
»Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende«, rief Karin ihm hinterher. Er drehte sich noch einmal um und ihr freundliches Lächeln ermutigte ihn, zu sagen:
»Ich habe Urlaub.«
»Oh, wie schön. Dann genießen Sie Ihre freien Tage.« Karins Lächeln schien noch herzlicher zu werden. Robert spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog, wie ein heftiger Schmerz durch seine Brust zuckte, und er hastete ohne eine weitere Antwort davon.

Teil 4

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