Fast eine Liebesgeschichte – Teil 1

Eine Fortsetzungsgeschichte

Es war eine dieser langweiligen Netzwerkveranstaltungen. Wichtigtuende Leute in Businessklamotten, die einander höflich umgarnten, immer darauf bedacht, sich selbst ins bestmögliche Licht zu rücken. Könnte ja sein, dass man hier einen Kontakt knüpfte, aus dem sich später ein großer Auftrag entwickeln würde.

Paul gähnte innerlich und verstaute Visitenkarten in seiner Brieftasche. Die meisten würde er nie wieder angucken. Er überlegte, wie er sich unauffällig davonschleichen konnte. Einfach mal zum Klo gehen und nicht wiederkommen, das war am leichtesten.
Da ertönte der Gong zur Aufforderung, den Tisch und somit die Gesprächspartner zu wechseln. Wie im Kindergarten, dachte Paul genervt und suchte mit den Augen schon nach dem Weg zu den Toiletten.

Zu fünft drängten sie sich um einen Stehtisch, drei Männer, zwei Frauen. Paul stand neben einer Frau, die so klein war, dass der Tisch ihr bis über die Brust reichte. Einer der Männer erzählte von seinem Unternehmen, das Werbemittel produzierte. Der andere arbeitete in einer großen Softwarefirma. Beide könnten potenzielle Kunden von Paul sein. Er riss sich zusammen und klinkte sich bemüht interessiert in die Gespräche ein.

Die Frauen schwiegen. Eine schielte auf ihr Handy, sie hatte offenkundig noch weniger Spaß an der Veranstaltung als Paul. Die andere wirkte immerhin freundlich und interessiert. Es war die kleine Frau, die neben Paul stand. Er beugte sich zu ihr.
„Was machen Sie denn eigentlich?“
Sie hob den Kopf und sah ihn an. Braungrüne Augen, die sehr wach und lebendig blitzten, ein offenes, herzliches Lächeln, das überhaupt nichts mit dem Gehabe zu tun hatte, das alle anderen hier an den Tag legten.
„Ich bin Kommunikationstrainerin“, sagte sie und fügte auf Pauls interessierten Blick hinzu: „Ich schule Mitarbeiter in Unternehmen, damit sie miteinander und mit ihren Kunden besser kommunizieren können. Sie werden kaum glauben, dass es da manchmal an den allereinfachsten Dingen hapert.“
„Doch, das glaube ich sofort“, entgegnete Paul. „Ich arbeite nämlich als Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte.“
„Ach?“ Neugier blitzte in ihren Augen auf. Auf eimal war sie ihm sehr zugewandt.
Diese Augen, dachte Paul, und dieses Lachen. Der Hammer! Dabei war sie überhaupt nicht sein Typ. Ein bisschen zu rundlich für seinen Geschmack. Und viel zu klein. Paul kam sich neben ihr mit seinen 1,90 Meter riesig vor. Und doch hatte diese Frau eine Ausstrahlung, die ihn von der ersten Sekunde an faszinierte.

zum 2. Teil

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