Wie schreibt man eine Rezension? Teil 3

Bei der Zusammenfassung und Bewertung einer Rezension herrscht oft Unsicherheit. Wie viel darf ich vom Inhalt preisgeben? Wie verpacke ich Kritik? Diesen Punkten widme ich daher hier etwas mehr Aufmerksamkeit. Bitte beachtet, dass ich davon ausgehe, dass Ihr Kundenbewertungen schreibt, keine wissenschaftliche Literaturkritik und auch keine Kritik fürs Feuilleton. Die Unterschiede erkläre ich im ersten Teil dieses Schreibtipps.

Die Zusammenfassung

Die Zusammenfassung solltet Ihr kurz und knapp halten. Stellt Euch dabei folgende Fragen: Worum geht es in diesem Buch? Was ist das Thema? Beantwortet diese Fragen mit zwei, drei Sätzen. Das genügt.

Aber was genau ist mit Thema gemeint? Ich gebe Euch ein Beispiel. Die Inhaltsangabe zu meinem Roman Ebbe und Glut lautet:

Mias Leben steckt fest. Erst ist ihr Mann weg, dann der Job. Und das alles kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Doch dann stößt sie in einem Magazin auf eine Kontaktanzeige. Da sucht ein Mann gegen Geld eine Frau für sexuelle Dienste. Mia ist schockiert. Und dennoch ist diese Anzeige seit Langem das Einzige, wofür sie sich begeistern kann.
Arthur ist ein Ekel. Arrogant, kalt und herablassend. Mia mag diesen widerlichen Anzugträger nicht. Gleichzeitig ist sie von seiner Ausstrahlung fasziniert. Als Mia sich auf Arthur einlässt, gerät ihr ganzes Leben in Bewegung.

In einer Rezension zu diesem Roman heißt es: „Der Autorin ist es gelungen ein komplexes Thema, nämlich die großen und kleinen Lebenskrisen in der Mitte des Lebens, so zu beschreiben, das keiner Angst vor dem Älterwerden haben muss.“

Das fand ich großartig, denn genau darum geht es in dieser Geschichte, das ist das Thema. Und das Beste daran: Die Rezensentin gibt mit keinem Wort etwas vom Inhalt preis.

Ich weiß, oft sind wir von einer guten Geschichte so beseelt, dass wir ein enormes Mitteilungsbedürfnis verspüren. Wir wollen unbedingt aller Welt erzählen, wie großartig die Entdeckung war, dass die Protagonistin unsterblich ist und der tödliche Dolchstoß ihr in Wahrheit nichts anhaben konnte. Und wie wir mitgelitten haben, als die geliebte Frau des Protagonisten vom Auto überfahren wurde. „Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel verraten“, steht dann gelegentlich fast ein wenig schuldbewusst dabei. Leider kann ich da nur sagen: Liebe Rezensentin, lieber Rezensent, du hast sehr wohl viel zu viel verraten. Und das ist schlecht. Denn du nimmst anderen Lesern das Vergnügen, überrascht zu werden.

Hinweise auf überraschende Wendungen haben nichts in einer Rezension verloren, nicht einmal in Andeutungen. Und wie die Geschichte ausgeht, hat selbstverständlich erst recht nichts in einer Rezension verloren. Ich erinnere mich gut daran, wie sauer Til Schweiger in einer Talkshow war, als der Moderator das Ende seines neusten Films verriet. „Es war doch klar, worauf das hinausläuft“, begründete der Moderator sein Ausplaudern. Til Schweiger daraufhin: „Nein, war es eben nicht.“ Ich konnte seinen Ärger verstehen. In einer guten Geschichte ist niemals klar, worauf sie hinausläuft, selbst dann nicht, wenn es in diesem Genre eine Happy End-Garantie gibt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum endlose Nacherzählungen schlecht sind: Sie sind langweilig. Ganz besonders dann, wenn es bereits hundert andere zu diesem Buch gibt. Doch nichts ist schlimmer, als  seine Leserinnen und Leser zu langweilen. Das solltet Ihr unbedingt vermeiden!

Schreibt also bitte keine Inhaltsangabe, schon gar keine Nacherzählung, lediglich eine Zusammenfassung, in der ihr die Aussage der Geschichte in ein, zwei Sätzen herausarbeitet. Und wenn Euch dazu partout nichts einfällt, dann lasst es bleiben. Eine gute Rezension muss nämlich nicht mal eine Zusammenfassung enthalten.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was Ihr denn dann überhaupt schreiben sollt. Nun, das ist ganz einfach: Eure persönlichen Eindrücke. Mehr dazu im nächsten Punkt.

Die Bewertung

Jetzt wird es persönlich. Eure Gefühle beim Lesen sind gefragt. Dieser Teil Eurer Rezension ist für die Leser der interessanteste. Sie wollen wissen, warum Ihr von diesem Buch so begeistert seid oder so enttäuscht. Je deutlicher Ihr Eure Einschätzung formuliert, desto leichter können die Leser eine Entscheidung treffen, ob sie dieses Buch auch gern lesen möchten. Ihr solltet Eurer persönlichen Einschätzung daher den meisten Platz in Eurer Rezension einräumen und Euch nicht davor scheuen, Emotionen preiszugeben.

Was hat Euch an diesem Buch gefallen? Was nicht? Habt Ihr beim Lesen viel gelacht? Wart Ihr berührt, habt vielleicht sogar geweint? Habt Ihr das Buch in einem Rutsch durchgelesen? Oder brauchtet Ihr drei Anläufe, weil das erste Kapitel so langatmig war? Habt Ihr anschließend noch lange über die Geschichte nachgedacht? Hat sie eine ungewöhnliche Botschaft transportiert? Oder habt Ihr Ähnliches schon x-mal gelesen?

Eure Begründung ist dabei ebenso wichtig wie Eure Einschätzung. Warum habt Ihr diesem Buch fünf Sterne verpasst? Oder nur zwei? Warum wart Ihr enttäuscht oder ärgerlich, vielleicht sogar wütend? Als Autorin bin ich irritiert, wenn jemand nur Gutes über eins meiner Bücher schreibt, aber abschließend nur drei Sterne vergibt. Offenbar gefiel dieser Leserin oder dem Leser das Buch doch nicht so recht. Aber woran das liegt, erfahre ich leider nicht. Schade.

Wichtig: Ihr dürft Bücher durchaus kritisch bewerten, aber verpackt die Kritik respektvoll und fair. Bedenkt, dass Autoren in der Regel sehr viel Zeit und Herzblut in eine Geschichte stecken. Manchmal arbeiten sie jahrelang an einem einzigen Buch. Dieses Werk mit wenigen Worten zu vernichten, ist leicht. Doch ist es auch angemessen? Überlegt genau, was Ihr an einem Buch bemängelt. Ist es wirklich schlecht geschrieben? Weist es tatsächlich formale oder inhaltliche Fehler auf? Dann solltet Ihr dies natürlich auch benennen – und zwar höflich! Aber vielleicht habt Ihr ja bloß einen anderen Lesegeschmack. Wenn Ihr normalerweise nur Krimis lest und Euch nun ausnahmsweise eine Liebesschmonzette vorgenommen habt, macht die Kritik, dass das Ende ja total vorhersehbar war, wenig Sinn. Das liegt am Genre, nicht unbedingt an der Unfähigkeit der Autorin oder des Autors. In diesem Fall wäre es vielleicht ratsamer, auf eine Rezension zu verzichten. Man muss nicht immer zu allem und jedem seinen Senf dazu geben.

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2 Kommentare zu “Wie schreibt man eine Rezension? Teil 3

  1. Meine liebe Katharina,
    Ich genieße es und finde es super spannend, deine Arbeit zu verfolgen!
    Die Rezension, die du dir zur Besprechung herausgesucht hast, fand ich persönlich auch den Hammer. Besser hätte man dein Buch “ Ebbe und Glut“ nicht zusammenfassen können. Ich bin übrigens auch sehr angetan von deinem Buch. Als ich es letztes Jahr im Sommer zum ersten mal gelesen hatte, konnte ich es nicht aus den Händen legen. Und ich finde die Rezensentin hat recht: du schreibst mit soviel Einfühlungsvermögen und Realitätssinn, dass man wirklich die Hoffnung und die Kraft gewinnt, dass alles gut wird, wenn man ehrlich zu sich und seinen Gefühlen ist und mal den Mut hat, über seinen Schatten und den landläufigen Meinungen von richtig und falsch zu springen.
    Herzlichen Glückwunsch meine Liebe, dir ist ein wirklich gutes, tiefes und hilfreiches Buch gelungen!!!
    Und wenn ich in den Medien nicht so present bin , um es anzupreisen, hat das eher den Grund in Unfähigkeit mit der Technik umzugehen. Allen, die es hören wollen, schwärme ich von deinem Buch voll!
    Sei lieb gegrüßt
    Martina

    • Ach, liebe Martina, da geht mir jetzt aber richtig das Herz auf! Ganz, ganz lieben Dank für Deine wunderbaren Worte zu „Ebbe und Glut“ und überhaupt zu meiner Arbeit. Eine bessere Werbung als mit diesem Kommentar könntest Du gar nicht machen – von wegen „Unfähigkeit mit Technik“. 😉 Danke!

      Herzliche Grüße
      Katharina

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